Where do we go from here?

Der heutige Post hat sich sozusagen eingeschlichen. Eigentlich wollte ich gerade in Second Life einloggen und mit meinem CV-57 Manta VTOL fliegen üben. Aber da ist ein Gedanke, eigentlich ein Gefühl, das an mir nagt, seit ein paar Tagen.

Jetzt muss ich mich sehr, sehr vorsichtig weitertasten, damit das, was ich sagen möchte, nicht wie etwas ganz anderes klingt. Etwas, das ich weder denke, noch versehentlich in den Raum stellen möchte. Mich belastet ein Satz aus einer Rezension. Jahaaa, neiiiin! Ich bin froh und dankbar für diese Rezension. Nicht nur, weil die Verfasserin sich eingehend damit beschäftigt hat, außerdem ist das Ergebnis wirklich schmeichelhaft. Sie empfiehlt die Himmelsmacht und es hat ihr insgesamt gut gefallen. Aber …

Der Roman schien der Leserin in einem für mich besonders wichtigen Punkt nicht ganz schlüssig: Der Figurenentwicklung.

„Einen kleinen Kritikpunkt habe ich allerdings auch zu den Charakteren. Das Verhalten, mit dem sie bestimmte Dinge einfach so hinnahmen, war für mich überhaupt nicht nachvollziehbar. [..]“

und

„Ich hätte mir da gewünscht, ein wenig mehr Aufklärung zu bekommen, warum diese beiden Personen sich so plötzlich zueinander hingezogen fühlen. [..]“

Wie gehe ich damit nun um? Dieser Kritikpunkt begegnet mir nicht zum ersten Mal, daher muss etwas dran sein.  Mir wurde verschiedentlich, auch zu anderen Geschichten, von Kollegen und Testlesern nahegelegt, deutlicher zu zeigen, was sich zwischen den Figuren abspielt. Mein Problem bei dieser Sache ist, dass diese Textstellen für mich schon beinahe mit dem Vorschlaghammer eingewummert sind. Ich liebe es, wenn im Film ein Blick ausreicht, eine Geste, und sofort ist alles klar. Das versuche ich, auch in meinen Texten zu erreichen. Aber die Medien Film und Roman sind eben grundverschieden und was im Film von der Musik bekräftigt wird, geht im geschriebenen Text vielleicht beim Umblättern unter.

Also: Weniger subtil, etwas deutlicher Frau Autorin! Sagen Sie, wie es ist!

Tja, leichter gesagt, als getan. Gerade Thriller leben vom Rätsel. Außerdem stehen in meinen Geschichten immer die Figuren im Vordergrund. Und dreidimensionale Figuren sind von Natur aus nicht leicht zu durchschauen — übrigens auch für mich nicht. Also was nun? Gibt es einen Mittelweg zwischen deutlich und subtil?

Bestimmt gibt es den. Die Himmelsmacht war mein Debüt. Der Roman, an dem ich am bisher meisten gelernt habe, bei dem ich mich bisher am meisten weiterentwickelt habe. Hier habe ich besonders viel experimentiert, nicht alles ist geglückt und musste aufgegeben werden. Ich habe Irrwege beschritten und musste mich zur richtigen Abzweigung zurückarbeiten.

Schon mein zweiter Roman Leilani | Wohin das Herz gehört ist mir bei der Charaktereinführung  viel leichter von der Hand gegangen. Letzte Ecken und Kanten und sogar Inkonsequenzen der Figuren dürfen und sollen aber sein. Das ist lebensnah und macht eine gute Geschichte in meinen Augen aus. Je mehr Erfahrung ich mit dem Schreiben sammle, um so besser weiß ich von vorneherein, welche Eigenschaften, Vorlieben und Abneigungen für die Figurenentwicklung und damit für diese Geschichte besonders wichtig sind. Und die kann und will ich besonders herausstreichen, damit sie auch für Leser glaubhaft sind. Es besteht also Hoffnung 🙂

Übrigens, solltest du mal nicht wissen, ob und wie du weitermachen sollst — schreib es dir ruhig mal von der Seele, denn ich weiß nach diesem Beitrag plötzlich wieder, wie es bei mir nun weitergehen kann: Genau so, wie es sich richtig anfühlt.

Als kleines Bonbon und weil’s grad so schön passt, hätte ich da ein Video für dich:

The Alan Parsons ProjectGames People Play

16.07.2015 Update: Gerade wollte ich das Video noch einmal ansehen — ist doch so ein tolles Stück — doch  …

„Dieses Video enthält Content von SME. Dieser Partner hat das Video in deinem Land aus urheberrechtlichen Gründen gesperrt.“

Sollte mein kleiner unschuldiger Post euch so viel Traffic beschert haben? Ich bin sicher, der eine oder andere hat wie ich das Album schon im Schrank stehen. Und noch ein anderer ist vielleicht auf den Geschmack gekommen, The Alan Parsons Project hatten ja noch mehr gute Songs im Repertoire. Aber so …

Schade, Sony.

Video bei YouTube aufrufen

2 Comments

  1. Nat

    Ich glaube, das ist das Schwierigste überhaupt, darzustellen, warum Leute so und nicht anders handeln oder sich verhalten.
    Das klappt auch bei vielen Filmen nicht so wirklich, wobei allerdings gerade im Film Auslassungen vom Zuschauer weitergedacht werden (Auto fährt los, Auto kommt an. Klar, dass dazwischen eine Fahrt war. Wenn das Auto im Hellen abfährt und in der Dunkelheit ankommt, wars halt eine laaange Fahrt).
    Bei den Akteuren sieht es da schon ganz anders aus Wie du schreibst, sind Gestik, Mimik, Licht und Schatten und die Sounduntermalung (Musik und Geräusche) ganz entscheidend dafür, dass innerhalb sehr kurzer Zeit klar ist, was gerade im Kopf der Personen abgeht.

    Das Meiste davon muss im Roman beschrieben werden, oder vieles davon, um die gleiche Stimmung bei Lesern hervorzufrufen, wie bei den Zuschauern.

    Da kann es dann vielleicht schon mal passieren, dass ich schon weiterdenke, wenn bestimmte Schlüsselbegriffe auftauchen, oder eben auch nicht, und mir dann irgendwie irgendwo etwas fehlt, was laut meiner „eigenen Landkarte“ eigentlich da sein müsste.
    Das ruft, bei mir, dann so ein Gefühl wach, dass sagt: Nää, wie jetzt? Jedenfalls so ungefähr.

    lg
    Nat

    1. Stimmt, Nat, bisher habe ich wohl unterschätzt, was im Film alles zu einer bestimmten Wahrnehmung beiträgt. Außerdem spricht ein Bild den Zuschauer unmittelbarer an als Worte. Mit Worten muss ich dieses Bild erst erschaffen, was wahrscheinlich mehr Raum einnimmt als eine Filmeinstellung.

      Dafür habe ich im Roman die zusätzliche Ebene der Innensicht, die ich direkt als Gedankenstrom in den Text einfließen lassen kann. Mir fällt bei meinen neueren Projekten auf, dass ich inzwischen einen Radar entwickelt habe (mit der „Stimme“ meines Lektors, hehe) für Stellen, wo ich diese Innensicht noch zufügen muss.

      Liebe Grüße zurück!

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