Weil ich es kann

Participant-2014-Twitter-ProfileAlso, es ist mal wieder November-Romanschreib-Wahnsinn angesagt.
(Wäre auch so ein richtig schönes Kompositum – aber das ist ein Insider …)
Für alle diejenigen, die sich mit Romanen vor allem lesenderweise beschäftigen, ist NaNoWriMo entweder kein Begriff oder sie haben bestenfalls eine vage Vorstellung davon, was dieses Ereignis für die Teilnehmer bedeutet.

November ist die Zeit, in der wir an 30 Tagen 50.000 Wörter schreiben: was ungefähr einen (kurzen) Roman ergibt.

Wie bitte? Sind die irre?!

Selbst Autoren, die zwar selbst Romane schreiben, aber noch nie am NaNoWriMo teilgenommen haben, können sich nicht vollständig einfühlen.  Sogar, wenn sie aus beruflichen Gründen oder aus einem inneren Drang heraus regelmäßig Romane in ebenso kurzer Zeit schreiben.

Der NaNoWriMo ist mehr als die Summe seiner Teile. Hunderttausende von Autoren, weltweit, die im gleichen Zeitraum Welten erdenken, Biographien erfinden, Schicksale in Gang setzen – aber nicht allein, sondern mit der geballten Synergie aus Schreib-Prompts, Schreib-Sprints, gegenseitigem Anfeuern und Beflügeln. Ein Autor allein mit seiner Muse im Kämmerchen kann nie so viel einfallsreiche Energie entwickeln, wie es dieses Wissen bewirkt, dass zur gleichen Zeit überall auf der Welt die Synapsen von Kollegen feuern, was das Zeug hält. Allein diese Vorstellung, dieses Bild, triggert bereits fantastische neue Ideen!

Skeptiker fragen jedes Jahr aufs Neue: Was soll das bringen, 50.000 Wörter in 30 Tagen aufs Papier zu würgen? Warum machen die das?

Weil es Spaß macht. Weil es aufregend ist, zuzugucken, wie immer wieder aufs Neue aus dem Nichts im Zeitraffertempo eine fiktive Welt entsteht, ein Minikosmos, den es so vorher nie gegeben hat. Ein so kurz bemessener Zeitrahmen verbietet von vorneherein jede Skrupel, jeden Selbstzweifel, jeden Perfektionismus. Da heißt es tippen, tippen, tippen!

Aber was soll ich denn bloß tippen? Wie soll ich denn unter solchem Zeitdruck nachdenken?

Gar nicht. Nein, sagen wir: So wenig wie möglich.
Noch immer ist es weitgehend ein Rätsel, wie genau Kreativität funktioniert, aber als gesichert kann wohl gelten, dass sie vor allem dann entsteht, wenn wir bekannte Wege verlassen und Ideen zulassen, die unser aus Erfahrungen gespeistes Bewusstsein als undurchführbar, irrelevant, vielleicht sogar gefährlich von vorneherein ausschließen würde. Deshalb gelten oft gerade die Menschen als kreative Genies, die im täglichen Leben als Chaoten erscheinen.

Aber was soll mir das letztendlich bringen? Dann habe ich halt einen Roman geschrieben, so what? Niemand wird ihn je lesen wollen, das ist doch alles in totaler Eile wirr zusammengeworfenes Zeug.

Stimmt.
Deshalb hat das Jahr 12 Monate, nicht nur einen. Ab Dezember beginnt der ewig gleiche Tanz, der zum Entstehen eines Buches führt: Liegenlassen, sackenlassen, hervorholen und lesen, sich freuen, dann überarbeiten, wieder liegenlassen, erneut aufschlagen, feilen.

Am Ende dieses Prozesses steht ein Roman, der deinen Namen trägt. Tscha-tsching!

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