Von Playern und Bauernopfern

An dieser Stelle sollte eigentlich ein anderer Beitrag stehen, den ich gestern schreiben wollte, wozu ich dann aber nicht kam, weil ich stattdessen Korrektur gelesen habe. Morgen ist Stichtag und ich habe alle Hände voll zu tun. Ich stehe unter Strom. Leider heißt das für mein Kreativitäts-Gen: Input, input, input!

Das wiederum bedeutet, ich muss irgendwas schreiben, bevor ich mit der langweiligen Korrigiererei weitermachen kann, sonst platze ich. Also output, output, output. Eine neue Folge für Nat&Joey habe ich schon geschrieben. (Nat, wir müssen „nur“ noch Fotos machen 😀 )

Der andere Beitrag, der sich gestern eigentlich aufdrängte und mit Ungeduld und Selbstdisziplin zu tun hatte, muss jetzt aber noch weiter warten, weil mir ein anderes Thema auf den Nägeln brennt. Nicht erst seit gestern, aber seither ist es besonders stark, weil es mich eben auch in meiner Tätigkeit berührt.

Es geht um Selfpublishing, eBooks, Datei-Formate und Absatzformatierungen, um Insider-Wissen, Seminare, ums liebe Geld …

Eines vorweg: Ich werde hier keine Namen nennen. Weil ich weder die Zeit noch die Lust habe, mich rechtlich abzusichern, ob ich nicht womöglich zivilrechtlich irgendwie angegangen werden könnte. Wer sich schon ein bisschen mit der Materie beschäftigt hat, ahnt auch so, worauf ich hinaus will …


Und ganz ehrlich? Wer sich noch nicht mit der Materie beschäftigt hat, dem kann ich nur raten, das nachzuholen, bevor er mit seinem Manuskript irgendwas unternimmt. Dazu gehört auch, Geld auszugeben, um sich in Kenntnis setzen zu lassen.


Aus gegebenem Anlass werde ich meine eBook-Vorlagen heute und morgen noch einmal überprüfen und überarbeiten, falls es durch das neue K8-Format bei KDP tatsächlich Änderungen gibt. Amazon rät zum logischen Inhaltsverzeichnis, und ich habe das seinerzeit an dieser Stelle auch selbst angemahnt — allerdings hatte ich dabei Bücher im Sinn, die überhaupt über Kapitelüberschriften verfügen! Das betrifft also vor allem Sachbücher und Romane, bei denen sich die Autorin oder der Autor aus irgendeinem Grund für Überschriften entschieden hat.

Bei Romanen ist es aber weder zwingend noch immer sinnvoll, dies zu tun. Ich habe mich sogar in zwei Fällen dagegen entschieden, nachdem ich bereits welche hatte. Sie sind bereits vor der Abgabe ins Lektorat herausgeflogen, und niemand hat sie je vermisst. Worin allerdings der Sinn bestehen soll, ein Inhaltsverzeichnis (mit Sprungmarken) für numerierte Kapitel zur Verfügung zu stellen, erschließt sich mir nicht. Ich denke, ein geringer Anteil der Leser kann Inhalt einer Nummer zuordnen. Das kann ich als Autorin nicht, nachdem ich jahrelang mit dem Manuskript gelebt habe.

Dennoch — wenn von Amazon ein logisches Inhaltsverzeichnis gewünscht ist: wird geliefert, kein Problem.

Dazu muss ich aber weder Informatik studieren, noch einen Distributor bezahlen, noch ein teures Seminar belegen. Was ich brauche, ist ein vernünftiges Autoren-Programm, und ich persönlich bin der Meinung, dass ein gewöhnliches Textverarbeitungsprogramm dies nicht ersetzt, weil sich ein 200-Seiten-Roman-Manuskript stark von einem 2-Seiten-Geschäftsbrief oder auch einer 30-Seiten-Hausarbeit unterscheidet. Ein solches Programm ist dann vermutlich auch in der Lage, das Manuskript in eine EPUB-Datei umzuwandeln (=exportieren) oder — meiner Ansicht nach noch besser — schlicht und einfach in HTML.

Und jetzt komme mir niemand mit „aber ich muss doch eine MOBI-Datei/K8-Datei hochladen, wie soll ich denn das hinkriegen?“. Bisher hat es noch immer geklappt — und das steht auch so in den KDP-Richtlinien eine ZIP-Datei hochzuladen, die folgendes enthält: eine HTML-Version des Buchtextes und ein oder mehrere JPGs, je nachdem, ob ich außer dem Cover noch andere Abbildungen im Buch verwende. Aus dieser ZIP-Datei macht KDP die MOBI-Datei, die ich herunterladen und überprüfen kann, bevor ich das Buch online stelle!

Und wer sich jetzt fragt „wie stellt man denn bloß eine HTML-Datei her?“, dem kann geholfen werden: Man klickt auf „Datei“ -> „exportieren als“ -> „HTML“. So oder so ähnlich dürfte das bei jedem vernünftigen Autoren-Programm (und auch bei Textverarbeitungsprogrammen) aufgebaut sein.

Diese HTML-Datei kann ich mir dann mit einem kostenlosen Editor (zB notepad++, siehe hierzu auch den Wikipedia-Eintrag ) ansehen und überprüfen. Ein vernünftiges Autoren-Programm spammt diese HTML-Datei übrigens nicht mit „classes“ und „style spans“ zu, sondern wirft schönes, klares, schlankes HTML aus, das dann etwa so aussieht:

<p>Jede allzu rasche Bewegung vermeidend, trat er einen 
Schritt zurück. Bereit, die ihm zur Verfügung stehenden 
Mittel einzusetzen, falls es sich als nötig erwies. »Was 
ist hier los? Von welchem Ärger sprechen wir?«</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr style="page-break-before:always">
<h2 align="center">2</h2>
<p>&nbsp;</p>
<p>Südfrankreich. Sonne, Meer – Pinien! Isabel liebte diesen 
Duft. Wann immer sie die Ferien bei ihrer Großmutter 
Elianor verbracht hatte, war das gleichbedeutend gewesen 
mit Freiheit, mit ungestraftem Toben und aufgehen in der 
Herzlichkeit ihrer Mima.</p>

Das kleine ‚p‘ in spitzen Klammern bedeutet, es handelt sich um einen Absatz (= Fließtext). Du siehst sofort: Keinerlei Text-Formatierung wie Farbe, Schriftart oder Zeilenabstand. Die hat das vernünftige Autoren-Programm selbstständig entfernt!

Der Grund liegt darin, dass jeder eBook-Reader eigene Textstile verwendet und auch zulässt, dass der Leser sich sowohl den Textstil als auch die Schriftgröße selbst nach Belieben einstellen kann. Das heißt jetzt aber nicht (!!!), dass du nicht einzelne Wörter oder auch Sätze oder ganze Absätze zum Beispiel kursiv oder fett oder durchgestrichen darstellen dürftest! Dafür gibt es nämlich eigene „Tags“ (= Markierer, die eine bestimmte Anweisung auslösen). Diese Tags sind ganz normales HTML, und das kann ein moderner Reader problemlos lesen. Was er vielleicht gar nicht mag, sind eben diese „classes“ und „style spans“ mit denen manches Textverarbeitungs-Programm so gerne um sich schmeißt.

Grundsätzlich ist so eine verallgemeinerte „Fließtext“-Darstellung sinnvoll, weil es eben hohe Flexibilität beim Leser ermöglicht. Einziges Manko aus meiner Sicht (als Autorin) ist, dass es das normale Absatz-Format nicht zulässt, den ersten Absatz eines neuen Kapitels ohne Einzug darzustellen, wie wir es aus dem Printbereich gewohnt sind. Bisher habe ich das mit einem work-around umgangen, indem ich mir einen eigenen p0-Absatz-Tag gebastelt habe. Ob das vom neuen K8-Format noch unterstützt wird, muss ich erst testen. Notfalls muss ich auf diesen kleinen Trick verzichten. Ich halte dich auf dem Laufenden 😉

Immerhin merkst du hoffentlich schon: Die einzigen Hieroglyphen, die du in meinem obigen HTML-Beispiel siehst, ist die Zeile mit

<p>&nbsp;</p>

Die heißt aber nichts anderes, als dass hier eine Leerzeile im Text eingefügt wird. Alles andere sind selbst-erklärende Tags:

  • ‚page-break-before:always‘ bedeutet, dass vor dem folgenden Text eine neue Seite begonnen werden soll.
  • <h2 align=“center“>2</h2> heißt: den folgenden Text als Überschrift (= h eader) zweiter Ordnung mittig ausrichten. Wie diese Überschrift dann aussieht, also Größe, Umfluss, Farbe, etc., entscheidet der jeweilige Reader, bzw. möglicherweise der Benutzer.

Vielleicht fällt dir auf — falls du dich mit HTML ein bisschen beschäftigt hast — dass im Text, der mit dem <p>-Tag eingeschlossen ist, Umlaute enthalten sind. „Aber spuckt der Reader dann nicht nur unlesbare Symbole aus?“ Nein, tut er nicht, weil sich im Kopf der HTML-Datei eine Anweisung befindet, einen Zeichensatz zu verwenden, der Umlaute kennt. Das wiederum verdanke ich dem vernünftigen Autoren-Programm, das solche Feinheiten bei der Umwandlung in HTML berücksichtigt. Habe ich ein Programm, welches das nicht tut, enthält mein HTML-Text leider noch ein paar Hieroglyphen mehr, in denen dem entsprechenden End-Gerät mitgeteilt wird, welche Zeichen es darzustellen hat. Aber das muss dich eigentlich nicht kümmern, solange du nicht vorhast, den Text direkt im HTML-Format zu verändern.

TL;DR

Langer Rede, kurzer Sinn: Ein eBook herzustellen ist keine Wissenschaft und jeder, der sich ein kleines bisschen Zeit dafür nimmt, kann es leicht selbst bewältigen. Dafür muss man — wie gesagt — keine Unsummen auf den Tisch blättern. Das wäre ja auch gar nicht in Amazons Sinne, denn die verdienen daran, dass viele Bücher diese vermeintliche Hürde nehmen. Versuch’s einfach. Und wenn du Hilfe brauchst, schau dir meine Vorlage nochmal an, die ich spätestens morgen (12.09.2015) auf den aktuellen Stand bringen werde.


EDIT 12.09.2015:

Es dauert doch noch einen Tag, ich habe den ganzen Tag mit letzten Korrekturen und Datei-Konvertieren verbracht und möchte bei den Vorlagen auf die Schnelle keinen Unsinn erzählen. So viel kann ich aber schon berichten: Offenbar ist die Absatz-Formatierung tatsächlich anders als noch bei meinem letzten Roman. Nicht die eingezogene erste Zeile ist jetzt Standard, sondern umgekehrt der Blocksatz. Man müsste also jetzt die folgenden Absätze alle einziehen.

EDIT-EDIT, 06.03.2016: Der letzte Satz ist Quatsch, siehe mein Update vom 13.09.2015 bei den Vorlagen. Das kann man auch noch nachträglich machen, also wenn die HTML-Datei schon übertragen wurde. Dazu erlaubt Amazon, die von KDP konvertierte HTML-Datei herunterzuladen und das Layout in einem Editor zu bearbeiten, bevor man die geänderte Datei wieder hochlädt. Ich habe mich fürs Erste jedoch entschieden, das Layout so zu belassen, wie es ist. Zum einen, weil es sowieso auf verschiedenen Reader-Typen unterschiedlich dargestellt wird, zum anderen, weil es eigentlich keinen Grund gibt, althergebrachte Layouts auf moderne Lesegeräte zu übertragen. Vielleicht entscheide ich das irgendwann anders, dann kann ich das Layout problemlos nachträglich ändern.


Heute ist erst noch Ausdrucken und ein letztes Mal rückwärts Wort für Wort Korrektur-lesen angesagt. Wünsch mir Glück!

Ab_15-09-15_Trau_mir_nicht

 

2 Comments

  1. Nat

    Jahaa, nur noch Fotos:)
    Vom Rest verstehe ich grad zwar nur Rembrandt und Ägypten, aber Sprungmarken machen es einfacher festzustellen, wer wann und wie oft ein Kapitel angesprungen hat, sozusagen:)

    lg
    Nat

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