„Und das soll ich alles lesen?!“

Immer wieder stolpere ich in Foren und Blogkommentaren über die Frage: „Muss ich als angehender Autor viel lesen?“ Die Antwort lautet gewöhnlich: JA!

Ich habe mich nie gefragt, warum.

Warum sollen Autoren lesen? Wozu ist lesen gut?
In Lady Heathers Blog „Liebesromanleserin“, der mir heute zufällig über den Weg lief, entdeckte ich folgende These:

„Ich würde mich sogar an die Meinung heranwagen, dass man als Autor nicht viel lesen muss. Interessante Themen findet man beispielsweise auch bei Spiegel-TV oder bei YouTube.“

Von AutorInnen höre ich oft, sie läsen anders, seit sie selbst schreiben. Analytischer, kritischer, vorsichtiger. Es fehlt ein Grundvertrauen, dass die Welt trägt, in die sie entführt werden sollen. So macht lesen aber keinen Spaß, warum dann überhaupt die Mühe auf sich nehmen? Zu Lernzwecken? Um bestimmte Fehler zu vermeiden, bestimmte Techniken aufzugreifen? Das ist ja noch öder.
Und kann ich schneller, schon aufbereitet, in Schreibratgebern finden.

Themen für meine Geschichten liegen auf der Straße. Oder in der Zeitung oder in Blogs. Und natürlich im TV. Dazu muss ich keine Romane lesen und womöglich in Verdacht geraten, ich hätte abgeschrieben.

Nur – wozu soll das gut sein?

Wenn ich selbst nicht lesen mag, für wen will ich dann schreiben?

Die Frage, ob man als Autor viel lesen muss, kommt in der Regel von Nicht-Autoren oder von Anfängern. Von Menschen, die sich mit dem Schreiben – noch – nicht eingehend beschäftigt haben. Für alle anderen erübrigt sie sich spätestens mit Beginn der ersten Überarbeitung ihres ersten Romans oder Sachbuchs. Wer jemals versucht hat, mehrere hundert Seiten wirrer Absätze umzuwandeln in etwas, das sich angenehm lesen lässt, der weiß, wie viel Begeisterung für das geschriebene Wort an sich notwendig ist, um sich nicht angewidert abzuwenden. Einen Roman bearbeitet und liest man – zumindest, wenn es der Erste ist – zig Mal komplett durch, bevor er überhaupt in die Nähe von „gut“ kommt. Das macht man nicht, wenn man das Lesen hasst.

Die Wahrheit ist, auch AutorInnen tauchen gerne in fremden Welten ein. Sie freuen sich auf fremde Abenteuer, schalten den inneren Lektor ab und werden wieder zu LeserInnen.

So soll das sein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.