Schreibtipps für Bauchschreiber

Revisionierte Fassung: Bauchschreiber vereinigt euch!

Tja. Bei einem der vielen virtuellen Schreibtreffen, im Gespräch über Schreibtechniken im Allgemeinen und NaNoWriMo-Schreibtipps im Besonderen, hatte ich seinerzeit behauptet, ich könnte gar keine generellen Tipps formulieren, weil ich als Bauchschreiber eben sehr intuitiv arbeite und mich während des Schreibens von meinem … Ta-daaa … Bauchgefühl leiten lasse. Trotzdem ließ mich dieses Gespräch nicht los, leiser Zweifel regte sich, ob ich es mir damit nicht etwas zu leicht mache.

Das Netz ist voll von Schreib-Tipps, in der Regel von und für Plotter, auch Planer oder Planschreiber genannt.  Autoren also, die ihre Romane gründlich vorbereiten. Ordentlich strukturiert, mit Kapitel- und Szenentabellen, Zeittafeln, Personen-Datenbanken, Figuren-Interviews, Beat-Sheet und what not. Viele bekannte Autoren schwören darauf: Bloß nichts dem Zufall zu überlassen, den Plot stets fest im Griff behalten, sonst macht der was er will und endet im Chaos. Und der Erfolg gibt ihnen recht.

Nur, als Bauchschreiber kann ich so nicht arbeiten! *hier theatralischen Diven-Anfall einfügen*

Wenn also Planen und Plotten das Omega 3 des Schreibens wäre, hätte ich als Autorin genau zwei Möglichkeiten: Ich versuche es lieber mit Stricken oder … ich überlasse das opulente Vorausplanen denen, die es können, und hangel mich durch meinen ganz persönlichen Schreibprozess Szene für Szene durch.

Ich kann auch anders!

;)

Zum Glück gibt es ja auch sehr prominente, erfolgreiche Gegenbeispiele. Wie etwa Stephen King, der in seinem Buch Das Leben und das Schreiben den vielzitierten Satz äußert:

“Plot is, I think, the good writer’s last resort, and the dullard’s first choice.”

In etwa also:
‚Plot ist, denke ich, dem guten Autor letzte Zuflucht und des Dummkopfes erste Wahl.‘

Starker Tobak. Stephen King kann sich das wohl leisten, aber so weit will ich nicht gehen. Jeder Autor muss, darf und soll seinen eigenen Weg finden. Mein Weg ist nicht besser oder schlechter als der eines anderen. Bis man den eigenen Weg jedoch gefunden hat, vergeht mitunter viel Zeit. Zeit, die nicht vertan ist, sondern wahrscheinlich sogar notwendig, um als AutorIn zu reifen. Und um der Behauptung noch eins draufzusetzen — Achtung, Spoiler! — das hört nie auf \o/ (… yay?  o.O …)

Handwerkszeug für Bauchschreiber

Als Anfängerin hatte ich anno 2007 mit dem ersten Drittel eines Rohentwurfs zu dem, was mal ein Roman werden sollte, unter anderem an einem einjährigen Online-Seminar von Textkraft.de teilgenommen. Ich habe meine Hausaufgaben gemacht und dabei viel gelernt — nicht zuletzt über mich selbst als Autorin und als Mensch. Ich möchte dieses Jahr nicht missen. Danach hat es noch einmal fast sieben Jahre gedauert, bis eben dieser Rohentwurf — tausendfach umgeschrieben, umstrukturiert, und umgedacht — endlich veröffentlicht war. So lange musst du dir nicht Zeit lassen mit deinem Erstling, und was ich so mitbekomme, ist das im Zeitalter des Selfpublishing auch durchaus unüblich geworden.

Aus aktueller Erfahrung kann ich aber nur dazu raten, dir und dem Manuskript im Zweifel die nötige Zeit zuzugestehen. 

Nimm dir Zeit, dich mit dem Schreiben als Handwerk und als Kunst zu beschäftigen. Dein erster Roman ist eine wahnsinnig aufregende Sache und vielleicht hat er auch Potenzial, die Ur-Mutter vieler toller Folgebände zu werden. Aber frag dich selbst: Gibt es da nicht noch mehr? Schreibst du ein Buch? Oder bist du auf dem Weg zur Schriftstellerin? Wenn dich jetzt ein kleines, feines Prickeln überläuft, dann weißt du, was ich meine. Der eigentliche Kick beim Schreiben ist für mich, dass es ein Leben lang was Neues zu entdecken gibt und ich immer noch dazulerne.

Schreibratgeber gibt es in allen Schattierungen, ich habe viele davon gelesen und auch einen, der mir besonders gut gefiel, hier rezensiert. Die meisten bieten tolle Tipps, Hilfen für den Notfall und ein Lichtlein im Dunkeln, wenn man sich verirrt hat. Das hat mir so manches Mal den Hals gerettet.

Für mich erfüllen diese Ratschläge jedoch ihren Zweck erst beim Überarbeiten.

Ich hab’s versucht. Bei vier Romanen habe ich vor dem ersten Satz erst einen Pitch verfasst. Dann – nach Randy Ingarmansons ‚Schneeflockenmethode‘ und 3-Akt-Struktur (bzw. 5-Akt-Struktur) – einen groben Plot geschmiedet und immer weiter verfeinert. Komplett mit Charakterblättern für die Haupt-Figuren und wichtigsten Nebenfiguren. Ich habe geplottet und eingedampft bis hin zu einem ausgefeilten Exposé. Es war alles da, ein komplettes Gerüst mit Farbtabellen, Tapeten- und Teppichmustern. Ich musste es nur noch zusammenfügen und ausbauen.

Nur: Beim Schreiben habe ich nichts — in Worten: n i c h t s — davon je verwendet.

In der Defensive: Bauchschreiber sind auch Autoren

Als Bauchschreiber habe ich immer mal wieder das Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen. ‚Deine Romane verkaufen sich nicht? Ist doch klar! Du hast das ganz falsch angepackt!‘ Manchmal komme ich dann schon auch in Versuchung, es halt so zu machen wie alle anderen. Aber was nützt es? Meine Plots entwickeln sich regelmäßig vom ersten Absatz an vollkommen anders als geplant. Da könnte ich mir jetzt die Haare raufen und eben doch zur Strickanleitung greifen. Weißt du aber, was wirklich witzig ist? Von eben diesem völlig ungeplanten Handlungsverlauf bin ich jedes Mal restlos begeistert! Das ist nämlich ausnahmslos viel besser, als ich es vorher skizziert hatte! Spannender, witziger, emotionaler. Lesenswerter!

Aber voll gegen die „Regel“. Also was nu? Da hilft nur ein vielfach erprobtes Patentrezept: Schiet drup! Beim Schreiben mehr noch als sonst gilt — frei nach Franz Josef Degenhardt –: Hier darf jeder machen was er will, im Rahmen der freiheitlich demokratischen Grundordnung versteht sich ;)

Bei den Romanen Nummer fünf und sechs hatte ich daher auf das ganze Prozedere von vorneherein verzichtet. Allerdings hat sich herausgestellt, dass sich die obengenannten Methoden dann im Nachhinein hervorragend eignen, dem fertigen Rohmanuskript die nötige dramaturgische Raffinesse beizubringen, und daher kann ich auch jedem Bauchschreiber nur empfehlen, sich gründlich mit all diesen Techniken zu befassen!

Aber – zu dem Punkt, an dem es eine Erstfassung zu überarbeiten gibt, muss man erst mal kommen. Wie, um Himmels willen, schreibe ich also einen spannenden, überzeugenden Roman, ohne vorher zu planen und ohne mich sinnlos zu verrennen?

Dafür gibt es jetzt dann doch kein Patentrezept, aber ich kann dir von meiner Arbeitsweise berichten. Sie funktioniert für mich und vielleicht ja auch für dich. Daher — auf Los geht`s los — kommt hier der erste meiner

Schreibtipps für Bauchschreiber — Erster Streich

Alle Beiträge der Serie auf einen Blick (wird noch aktualisiert):

6 Comments

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