Scheidungskind

GREXIT, BREXIT, FREXIT … klingt wie ein Abzählreim. Ene, mene, muh — raus bist du. Das erste nochmal abgewendet, das zweite ist seit heute Wirklichkeit, das dritte … nu, abwarten. Ich weiß nicht, wie sich die Briten fühlen, die in der EU bleiben wollten. Mama sagt, wir ziehen um, dann tun wir das. Wink deinen Freunden noch mal zu, ab morgen leben wir auf einem anderen Planeten.

Zu dick aufgetragen? Kaum. Die Welt ist heute eine andere als gestern noch. Machen wir uns nichts vor: Großbritannien hat immer gerne Extra-Wurst gespielt, aber sie waren einer der Hauptpfeiler, auf dem das Gerüst stand. Nun wackelt es — also noch mehr als sowieso immer schon.

Ich jedenfalls weiß, wie ich mich fühle: wie nach einer Ehescheidung. Die Beziehung war nie nur voller Sonnenschein, man hat gelacht, man hat geweint, man hat sich angebrüllt. Man liebte den Charme und die Exzentrik, man hasste das imperialistische Gehabe. Und nun ist das alles nicht mehr wichtig, denn sie sind fort. Wo man sich eben noch die Köpfe heiß debattierte, bleibt der Stuhl in Zukunft leer.

Es geht ja weiter! Die Welt geht ja nicht unter! Sie wohnen doch immer noch ganz in der Nähe, man kann sich ja besuchen! Aber es wird nicht mehr so sein wie früher. Die gemeinsamen Freunde wissen nicht mehr, zu wem sie halten sollen, ob man uns gemeinsam zum Essen einladen kann und wer kriegt die Kinder, die Möbel, den Hund?

Die meisten Scheidungswilligen unterschätzen, wie langfristig sie trotz der Trennung weiter aneinander gebunden sein werden. Mit doppelter Haushaltsführung, doppelten Lebenshaltungskosten und dem ganzen emotionalen Ballast, der sich exponentiell steigert, je mehr diese zusätzlichen Belastungen drücken.

Zum Glück bietet eine Scheidung auch die Chance zum Neuanfang. Neue Freiheit, neue Liebe, neues Glück. Vielleicht bleibt jeder erst einmal single, das schadet nie, um sich erst einmal neu zu orientieren. Aber dann … wer weiß?

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