NaNoWriMo 2013: 24. Tag

„Bedenke, Mensch, dass du sterblich bist.“

Tatsache, der November ist schon zu drei Vierteln vorbei. Zu behaupten, das ging wie im Flug, wäre glatt gelogen. Dieser November hat es in sich, in jeder Hinsicht. Ich schreibe normalerweise durchaus diszipliniert, aber die Wirklichkeit brachte mich dieses Mal mit Wucht aus dem Konzept. Eine der Konsequenzen waren drei Tage, an denen nichts ging. Zu leer der Kopf, zu voll das Herz.

Für den NaNo bedeutet das: dreimal 1667 Wörter Rückstand. Seither kämpfe ich darum, wieder aufzuholen. Dieses Mal habe ich zum ersten Mal einen sogenannten „word war“ versucht. Man verabredet sich, zB über Twitter, für eine halbe Stunde Schreiben und vergleicht anschließend die Wörterzahl. Ganz freundschaftlich, ohne viel Gewese. Beide Male habe ich deutlich mehr geschrieben als allein mit meiner Stoppuhr.

Nun kann ich ja förmlich die Einwände hören. „Wozu soll das gut sein, auf Kommando und mit Stoppuhr zu schreiben. Kreativität braucht doch Muße!“

Jain.

Dies ist mein vierter NaNoWriMo. Bevor ich es zum ersten Mal versuchte, dachte ich, der NaNo verführe zum Schwafeln und ziellosen Rumtippen. Das Gegenteil ist bei mir der Fall. Die Notwendigkeit, möglichst viel Text ohne wirklichen Plan zu schreiben, führt dazu, dass ich viel Wert auf Dialoge, Interaktionen, Ursache und Wirkung lege. Ich koste die Szenen so lange wie möglich aus. Dadurch werden sie intensiver und tatsächlich besser, davon bin ich überzeugt.

Und noch ein Problem löst sich ganz von selbst: meine berüchtigten Schreibblockaden, die mich monatelang verzweifelt über einen möglichen Fortgang der Handlung grübeln ließen. Dazu fehlt mir im NaNo schlicht die Zeit. Ich habe einen Tag oder einen halben – bis zur nächsten Schreibsitzung – um mir einen Fortgang zu überlegen. Und falls mir so gar nichts einfällt, fasse ich Mut zur Lücke und springe vor zur nächsten Szene.
Heute war so ein Tag, an dem ich dachte, mich in die Sackgasse geschrieben zu haben. Aber nach rund 37.000 Wörtern kann ich doch nicht aufgeben, so kurz vor dem Ziel! Einer Freundin riet ich vor Kurzem, statt auf den leeren Bildschirm zu starren, einfach irgendetwas zu schreiben. Also nahm ich meine eigene Medizin und tippte: „Er hatte keine Ahnung.“ In Wahrheit war ich es, die keine Ahnung hatte, aber dieser einfache Satz genügte, um eine neue Szene vor mir zu sehen.

So einfach ist es nicht jedes Mal, aber fast.

Wir wissen alle, dass ein erster Entwurf noch jede Menge Überarbeitung erfordert. Es ist trotzdem erstaunlich, wie viel guten Text das Unterbewusstsein hervorruft, wenn man sich nicht die Zeit lässt, sich selbst zu kritisieren.

So paradox es erscheint: Für mich ist der NaNoWriMo die perfekte Methode, um eine Schreibblockade zu lösen.

Wie läuft es bei euch?

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