„Dies ist das Ende!“

Winner-2014-Twitter-ProfileDer November dauert bekanntlich dreißig Tage. Etwas über vier Wochen also. Entsprechend gab es von mit bereits drei Rückmeldungen zum NaNoWriMo 2014, eine nach jeder weiteren Schreibwoche:

Und wie sich das gehört, folgt zum krönenden Abschluss als Viertes ein Fazit.

Tja … Also … @.o …

Wenn nur der Kopf nicht so voll wäre. Heute ist der fünfte Tag nach dem Ereignis, und ich finde so ganz allmählich aus dem NaNo-Land heraus. Es war mein fünfter NaNoWriMo, der dritte, den ich gewonnen habe, in dem ich also 50.000 Wörter an 30 Tagen geschrieben habe. Trotz aller Nachwirkungen Zeit für ein paar Rückschlüsse, scheint mir 🙂

Erste Erkenntnis: Für mich macht’s die Kontinuität.

In meinem ersten Gewinnerjahr habe ich – wie auch dieses Jahr – weitgehend das durchschnittliche Tagesziel von 1667 Wörtern eingehalten. Im ersten Jahr gab es ein oder zwei Tage, an denen ich gar nicht geschrieben habe, die ich dann an anderen Tagen aufholen musste. Das habe ich recht ‚gemütlich‘ auf mehrere Tage verteilt, mehr als 2000 Wörter schrieb ich also selten am Tag. Am Ende wurde ich nach kürzester Zeit mit einem komplett neuen Manuskript belohnt, aus dem nach entsprechender Überarbeitung ein Buch wird.

Manche Teilnehmer schreiben in der gleichen Zeitspanne das Doppelte, sogar das Dreifache. Aber das ist nichts für mich. Die durchschnittlich 1667 Wörter sind zu bewältigen, notfalls auch mal mehr, aber auf Dauer ist es das richtige Pensum, um mich zu fordern, aber nicht zu überfordern.

Zweite Erkenntnis: Jeder NaNoWriMo verläuft anders.

In meinem zweiten Jahr gab es mehrere Tage, an denen ich weder schrieb, noch sicher war, ob ich die verlorene Zeit wieder aufholen kann. Der Rückstand war beträchtlich. Dennoch wollte ich nicht aufgeben und schrieb mehrmals hintereinander das doppelte Tagespensum. Das war anstrengend, aber mit Hilfe von Word Wars und gegenseitigem Anspornen zu bewältigen. Das war das Jahr, in dem ich einen SF schrieb, ein absolutes Lieblingsprojekt. Wenn also Durststrecke, dann bitte bei einem Roman, den ich UNBEDINGT schreiben will! Am Ende hatte ich sogar ein bisschen vorgearbeitet, so dass der letzte Tag nur noch ‚Spaß‘ war.

Im dritten Jahr kam ich recht gut klar mit den Tagespensum, obwohl ich einen Tag gar nicht schrieb und an einem anderen knapp die Hälfte des Tagessolls. Und das bei einem Projekt, in dem ich ein Genre ausprobierte, das absolutes Neuland für mich war: ein Krimi. Bei dem ich mich manchmal verfluchte, weil ich vielleicht besser irgendetwas Abgedrehtes angefangen hätte, bei dem man zur Not auch mal ein Kaninchen aus dem Zylinder zaubern darf oder ein Ufo. Aber das Schreiben lief so vor sich hin, und das gar nicht mal so schlecht. Den NaNo zu gewinnen, schien eine sichere Sache. ‚Piece of cake‘ wie man so sagt: Kleinigkeit.

Nur, dass ich drei Tage VOR Ende des Monats unter meinen neuen Roman genau das tippte: ENDE.
The end, Fin, That’s all Folks.
Aber ich hatte noch keine 50.000 Wörter! Die folgenden beiden Tage verbrachte ich dann mit etwas, das eigentlich nicht Sinn der Sache ist: Ich ging das Manuskript noch einmal von Anfang an  durch und baute es aus. Fügte Dialoge ein, gab Szenen etwas mehr Substanz auf die Rippen. Ein erster Überarbeitungsdurchgang also und das noch mitten im NaNo. Sakrileg!

Dritte Erkenntnis: Selbstgesteckte Ziele halten besser.

Damit wurde es nochmal richtig spannend. Während ich also Absätze überarbeitete, schrieb ich zwar etliche Stellen neu, löschte aber auch gleich die erste Version. Sprich: Es kamen nur sehr zögerlich neue Wörter dazu. Am letzten Tag des Novembers, der dankenswerterweise auf einen Sonntag fiel, hing ich dann tatsächlich von morgens acht bis abends um zehn an diesem verflixten Manuskript und bekam allmählich Panik, dass ich es wegen rund 600 noch fehlender Wörter nicht schaffe. Uff! o.O

Zum Glück ist der Mensch auch nur ein Tier und hat so seinen Erhaltungstrieb. Daher verlegte ich mich am Ende doch wieder auf das, was den NaNo ausmacht: das Drauflos-Schreiben. Am Ende landeten also auch noch die restlichen 600 Wörter und noch ein paar dazu auf dem Papier. Hochladen – Verifizieren – Gewinn abholen. Puh!

Gegenseitiges Beglückwünschen der Weggenossen und Mitstreiter bei Twitter und Co.
Und dann Party!
Natascha hat in Joeys Café ab und zu nach mir geschaut und zum Schluss mit mir gefeiert. Übrigens sehr ansprechend gewandet in Nikolauskleid und mit Schneemann auf dem Rücken. Leider hab ich keine Fotos gemacht – war zu platt. Nächstes Jahr, versprochen.

Denn dann heißt es wieder: Leinen los, Vorhang auf, mögen die Spiele beginnen!

Bis zum nächsten Jahr beim NaNoWriMo 2015 😀

3 Comments

  1. Herzlichen Glueckwunsch!
    Ich finde das absolut grossartig.
    Und ich glaube auch, dass sich bei dem so sehr sehr schnellen intensiven Schreiben (obwohl ich mich damit ganz fuerchterlich schwer tue und es nur selten kann) irgendein verkrampfter Muskel befreit und etwas, mit dem man nicht rechnet, das man sich oder der Geschichte gar nicht zugetraut hat, ins Rollen kommt. Ich wuerde mich nie trauen, da mitzumachen, weil ich eben so oft stocke, mich dann schleppe, nicht ohne dauerndes Ueberarbeiten kann und vor allem: Nie direkt in den Computer schreiben.
    Aber jetzt schreib ich ja mein Buch ueber einen Direct Carver … und wenn ich sehr bewundernd und ein bisschen neidisch Deinen Bericht lese, denke ich ganz leise: never say never.

    Ich wuensch‘ Dir eine tolle Uebearbeitungsphase mit Deinem neuen Roman.
    Alles Liebe von Charlie

    1. Liebe Charlie,

      da sag ich auch mal lieber ‚du weißt nie‘ … 🙂
      Gerade, was das Stocken angeht. Bei meinem Erstling hatte ich eine furchtbare Schreibhemmung, die ein halbes Jahr dauerte. Auch beim Zweiten kam ich wieder in diese Situation, wenn auch nicht ganz so lange. Seit ich am NaNoWriMo teilnehme, ist das nicht mehr passiert. Auch da tickt sicher jede anders, für mich war dieses ‚Auf-Zeit-schreiben‘ wie eine Befreiung. Keine Selbstzweifel, kein Herauszögern mehr. Das Schlimmste, das passieren kann, ist, dass ich vier Wochen umsonst getippt habe. Damit könnte ich locker leben.

      Herzliche Grüße
      Sabine

  2. Pingback: Welten an Drähten und wahre Namen 102, der Dezember SL-Schreibtreff | Hydorgol

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