#NaNo15: Tag 1

Grabesstimme aus dem Off:

„Es hat begonnen!“

*räusper*

Also ja, heute ist der 1. November —  und das bedeutet nichts anderes als den Beginn des weltumspannenden Schreibspektakels (Inter-)National Novel Writing Month 2015.

Welcome to madness, peeps!

Der Teufel steckt bekanntlich im Detail, und während ich über das grundsätzliche Prozedere unter anderem schon hier und hier mal berichtet habe, möchte ich dieses Jahr etwas näher ran ans Geschehen. Nur für den Fall, dass es dich interessiert, was in einem verrückten Wissenschaftler Romanautor so vor sich geht, wenn er sich in ein Projekt richtig reinstürzt.

Heute ist also der erste Tag. Einige meiner Kolleginnen und Kollegen haben schon wieder weit vorgelegt, wie ich weiß, und Abertausende Wörter aufs Papier oder ins Dokument gebannt. Ja, tatsächlich, manche schreiben auf Papier. Mit dem Stift. Ich schreibe im wirklichen Leben auf dem Laptop, meine Avatarin Joey bevorzugt heute die Schreibmaschine:

Day 1_002

 

Aber egal, welches Schreibgerät du wählst, auf die Wörter kommt es letztlich an. Also zahlenmäßig natürlich, das ist der Gag beim NaNoWriMo, aber vor allem auch auf den Inhalt. Die Worte. (Über den Unterschied Worte/Wörter reden wir ein andermal vielleicht.)

Was schreibe ich? So ganz generell habe ich mir hier mal ein paar Gedanken gemacht. In diesem Jahr will ich eine Fortsetzung zu Himmelsmacht schreiben mit dem Arbeitstitel Time Warp. Man ahnt es schon: Es geht um die Zeit und was man so Verrücktes damit anstellen kann. Zeitphänomene und -paradoxa faszinieren mich, seit ich denken kann. Schon in Himmelsmacht habe ich mit diesem Thema gespielt, dieses Mal geht’s ans Eingemachte.

Aber ein Thema macht noch keine Geschichte, im Gegenteil. Ich halte es sogar für gefährlich, einen Roman allein auf einer Prämisse aufzubauen, wenn ich mich damit vielleicht auch gegenüber vielen Schreibratgebern ins Abseits stelle. Ein Roman lebt von seinen Figuren. Klar, ein Thriller, wie ich sie bevorzugt schreibe, braucht auch Action und Abenteuer. Aber der aufregendste Reißer ist schnell vergessen, wenn es keine Figuren gibt, mit denen wir hoffen, bangen und zittern. Ihr Schicksal ist das, was am Ende im Gedächtnis haften bleibt. Und den Leser hoffentlich auch nach einem zweiten unserer Bücher greifen lässt, aber das ist eine andere Geschichte 😉

Was also macht eine Geschichte aus? Es muss etwas auf dem Spiel stehen. Leib und Leben müssen in Gefahr sein, wenn nicht tatsächlich, so doch wenigstens im übertragenen Sinn: die Karriere, soziale Beziehungen, der eigene Verstand. So ähnlich fordert das auch James Scott Bell in seinem Buch Plot and Structure.

Bell ist Plotter, also Planer, der seine Romane aufgrund detaillierter Planung schreibt. Für den NaNoWriMo bedeutet das, sich entsprechend lange vorher vorzubereiten. Das liegt mir nicht. Meine Romane entstehen während des Schreibens. Den Vorteil sehe ich nicht zuletzt darin, dass ich während des doch sehr fokussierten Schreibvorgangs offen bin für alle Gedanken, die auf mich einströmen. Heute am ersten Tag mehr noch als an allen anderen. Also schreibe ich drauflos, lasse meine Gedanken und Gefühle einfließen. Die Ängste und Sorgen, die Herausforderungen, die wir uns im wirklichen Leben alle zurzeit stellen müssen, ob wir nun das Glück haben, im Warmen und Trockenen zu sitzen oder eben nicht.

Nach einer weitverbreiteten Legende ist Kunst am besten, wenn der Künstler leidet. Ob das so ist, mag ich nicht entscheiden. Eines lässt sich aber nicht bestreiten: Leid, ob eigenes oder beobachtetes, setzt Gedanken und Visionen in Gang. Ein idealer Nährboden für Romanhandlungen. Bevor ich heute das erste Wort getippt hatte, wusste ich noch nicht, worauf ich mich ein paar Absätze später einlassen würde. Ich gestehe, ich habe ein wenig Respekt vor der Aufgabe, einen spannenden Unterhaltungsroman zu schreiben, in dem ich realen Konflikten Raum geben will. Dennoch habe ich beschlossen, es zu wagen. Schreiben hat immer auch mit dem Sprengen von Grenzen zu tun, nicht zuletzt den eigenen. Nur so können wir etwas bewegen, etwas verändern. Wenn nicht in anderen, so doch wenigstens in uns selbst.

Langer Rede, kurzer Sinn: Wenn du ebenfalls am NaNoWriMo teilnimmst, oder einfach Lust hast, in geselliger Atmosphäre an eigenen Projekten zu arbeiten, dann besuche mich doch in Joeys Café zum Write-In! Täglich ab 20 Uhr, virtuelle Getränke  und Leckereien gehen aufs Haus.

Packen wir’s an! 🙂

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