#NaNo14: 21 Tage plus

Schon drei Wochen. Drei Wochen, in denen Millionen neue Wörter geschrieben wurden, in denen hunderttausende neuer Geschichten, die es sonst so nie gegeben hätte, vor den Augen der oftmals selbst staunenden Autoren entstehen.

Machen wir uns nichts vor, ein Roman, der in dreißig Tagen quasi aus uns herausbricht und sich übers Papier ergießt wie glühende Lava, ein solcher Roman ist anders als einer, der über Jahre entwickelt, durchdacht, überprüft und gefeilt wurde.

Gerade professionelle Kollegen, die einen Gutteil ihrer Brötchen vom Schreiben bestreiten wollen/sollen/müssen, fragen an dieser Stelle immer wieder: Kommt denn dabei irgendetwas Veröffentlichungswertes heraus?

Zum einen lautet die Antwort: ja. Die Erstfassung meines Jugendbuchs
Leilani | Wohin das Herz gehört entstand im NaNoWriMo 2010. Bis es dann im August 2014 endlich erscheinen konnte, musste natürlich noch viel daran gearbeitet werden (außerdem hatte ich vorher noch einen anderen Roman zu veröffentlichen: Himmelsmacht).

Zum anderen ist es in meinen Augen eine falsche Fragestellung, ob in vier Wochen etwas Veröffentlichungswertes entstehen kann. Der NaNoWriMo ist nicht in erster Linie als Roman-Druckmaschine gedacht. Er ist dazu gedacht, Autoren den Anreiz zu liefern, ein Projekt zu beginnen und die Motivation, während der unausweichlichen Durststrecken durchzuhalten. Sich gegenseitig zu stützen, mit frischen Ideen zu helfen und einander aufzurichten, wenn einer ins Straucheln kommt. Dass dabei ein Roman entsteht, ist die hochbefriedigende Folge all dieser Abläufe.

Nun habe ich mir dieses Jahr ausgerechnet einen Krimi vorgenommen.
Das Einzige, was ich übers Krimischreiben bisher ‚wusste‘, ist, dass man einen Krimi sorgfältig planen muss. Zuerst erdenkt man eine in irgendeiner Weise spektakuläre Tat, dann arbeitet man sich von diesem Mittelpunkt spiralförmig nach außen durch, indem man Fährten legt, Sackgassen und Fallstricke einbaut und mit dem Wissen um die tatsächlichen Abläufe die Auflösung erschwert. Man arbeitet also im Grunde umgekehrt chronlogisch.

Soweit die herrschende Meinung (Insider 😉 )

Nun bin ich von Hause aus kein Plotter. Ich mache mir zwar viele Gedanken vor und während des Schreibprozesses, und wenn ich kann, schreibe ich diese Überlegungen auch nieder. Aber in den seltensten Fällen verwende ich diese Skripte tatsächlich im Roman. Meistens ist das Aufschreiben vor allem hilfreich, um meine Gedanken zu sortieren, Möglichkeiten zu erwägen und fallen zu lassen.

Wie kann also ein so ausgeprägter Bauchschreiber wie ich ausgerechnet einen Krimi schreiben wollen? Abgesehen von den genreüblichen Rätseln und Täuschungen, lebt ein guter Krimi davon, trotz aller Irrwege stets nachvollziehbar, lückenlos folgerichtig und glaubhaft zu sein. Wie soll man das in vier Wochen aus dem Ärmel schütteln?

Was soll ich sagen: Dazu ist der NaNoWriMo da. Einfach mal etwas ausprobieren, ohne Risiko. Schlimmstenfalls hätte ich vier Wochen für eine Erfahrung aufgewendet, die mich immerhin eines gelehrt hätte: Das klappt nicht.

Bestenfalls klappt es aber eben doch! Inzwischen 35.000 Wörter in den NaNo rein, kann ich verkünden, dass man einen Krimi während des Schreibens erdenken und entwickeln kann, der die obigen Grundvoraussetzungen erfüllt.

Einen Roman genießen wir vor allem dann, wenn wir uns irgendwie damit identifizieren können. Mit der Handlung, den Figuren und/oder mit der Sprache. So fantastisch das Setting auch sein mag, nachvollziehbar wird eine Geschichte, wenn sie Ursachen und Wirkungen des richtigen Lebens zugrundelegt. Das richtige Leben braucht aber keine falschen Fährten zu legen, im richtigen Leben ist alles von sich aus kompliziert. Da habe ich nicht nur Ermittler, Mörder und die Suche nach ihm, im richtigen Leben werden die Ereignisse beeinflusst von Familien, Kollegen, Freunden und deren beruflichem und privaten Umfeld und den vielfältigen Verstrickungen, die daraus entstehen. Unerwartete Wendungen ergeben sich daraus vollkommen organisch, wenn man nur offen dafür ist.

Genau das mag ich am „Bauchschreiben“: Jede Entwicklung birgt eine Chance, mag sie die Figuren (und ihren Autor) auch gerade vor scheinbar unlösbare Probleme stellen. Aus solchen Situationen einen folgerichtigen, glaubhaften und nachvollziehbaren Ausweg zu finden, weil man muss, weil man keine Zeit dafür hat, alles wieder zu löschen und anders zu schreiben, das stützt das Krimigebäude, erhält die Spannung aufrecht und macht nicht zuletzt einfach Spaß!

Noch 8 Tage. Wir sehen uns bei der TGIO-Party, der Thank-god-it’s-over-Feier!
I see light at the end of the tunnel!

 

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