Kluge Frauen und Sex

Wir stellen fest: Männer, die sich über die Welt kluge Gedanken machen und darüber schreiben, sind sexy. Und erfolgreich. Im Verlagsbereich wie im Indie-Bereich. Man denke an Neil Gaiman, man denke an Hugh Howie, man denke auch an Chuck Wendig, der zwar äußerlich eher an einen ein Bär erinnert als ein Sex-Symbol, aber eben ein sexy Bär, weil klug.

Wir stellen auch fest: Frauen, die sich über die Welt kluge Ideen machen und darüber schreiben, sind nicht sexy, außer vielleicht, sie heißen Zoë Beck. Nein, bei den Frauen müssen die Texte den Sex liefern. Denn — so habe ich gerade bei Facebook gelernt — eine nicht nähere bezeichnete Umfrage kommt zu dem Schluss: „Kluge Frauen lesen (..) gerne auch mal hocherotische, niveauvolle Literatur. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass Frauen mit Köpfchen nichts Scharfes wollen.“ Hat das irgendwer wirklich bezweifelt? Den klugen Männern spricht man ihre Erotik jedenfalls nicht ab. Klugen Frauen also schon?

Wir leben im Jahre 4 nach Shades of Grey. Spätestens seither gilt offenbar eine gesellschaftliche Übereinkunft, dass frau nicht nur über Sex spricht, sondern sich auch öffentlich zu ihren präferierten sexuellen Praktiken bekennt. Dagegen habe ich nichts, jede wie sie mag. Nur — wenn man in dieses Horn nicht tuten mag, ist man als Autorin sogar noch weniger sexy als vorher schon, scheint’s. Da gilt man schnell als ‚langweilig‘, ‚verklemmt‘, ‚altmodisch‘, die Bücher bleiben liegen. Frauen finden klug nur sexy, wenn es XY-Chromosome hat, Männer finden es überhaupt nur bei sich selbst sexy 😉

Aber: Ich tute trotzdem nicht mit. Sollte ich doch mal was Erotisches schreiben wollen, werde ich es dich wissen lassen. Im Moment jedoch empfinde ich dieses Genre als überstrapaziert und selbstrepetitiv, rechne also eher nicht damit. Ich schreibe lieber über kluge Frauen 🙂

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