Interviews

Update 08.07.2016:

Beide unten wiedergegebenen Interviews sind leider nicht mehr bei den jeweiligen Blogs online, hier also nur mein persönliches Archiv 🙂


– erschienen am 30.07.2014 in Christa S. Lotz‘ Blog „Schreibteufelchen“:

Liebe Sabine, ich freue mich, dass du dich bereit erklärt hast, dich von mir interviewen zu lassen. Dein Weg zum Buch war ein ganz eigener, und im April des Jahres hast du deinen Mystery-Thriller „Himmelsmacht“ erfolgreich veröffentlicht. Ein Jugendroman, ein Thriller, ein Jugendthriller und ein Science-Fiction-Roman werden folgen. Nun zu meiner ersten Frage:

Hat ein bestimmtes Ereignis in deinem Leben dich dazu bewogen, zu schreiben? Oder hast du es einfach schon immer gern getan? Welche Bedeutung hat das Schreiben für dich?

Wie viele Autoren war ich vor allem sehr früh Leserin. Ein Buch hatte ich eigentlich immer in der Hand – oder auch einen Comic. Thematisch hab ich vor wenig Halt gemacht. Götter- und Heldensagen las ich genauso gern wie Tim und Struppi oder Wondergirl, Erich Kästner war mir so lieb wie Mark Brandis. Meine ersten bewussten Schreib-Erlebnisse waren meine Erlebnisaufsätze für die Schule. Die waren immer abenteuerlich und auf Spannung getrimmt, und ich erinnere mich noch an die Diskussion in der Klasse, ob ein Ertrinkender bei einem Badeunfall wirklich sein ganzes Leben an sich vorbeiziehen sieht  …

Wahrscheinlich war es ein logischer Schritt vom Lesen über kindliche Rollenspiele zum Erfinden von abenteuerlichen Geschichten. Sie aufzuschreiben ist dann fast schon Notwehr, damit in meinem Kopf Platz frei wird für neue Geschichten, die mich eigentlich ständig anspringen. Zu Schreiben vereinnahmt einen sehr, nicht nur während des Tippens. Die Gedanken stehen ja nie still, nicht mal unter der Dusche oder beim Bügeln. Mit Familie und Beruf ist es schwierig, allen Erwartungen gerecht zu werden. Es gab Momente, in denen ich glaubte, das Schreiben aufgeben zu müssen, weil es so viel Raum und Zeit in Anspruch nimmt. Das hat aber nie geklappt, nicht einmal kurzfristig. Ich werde unausgeglichen und unleidlich, wenn ich nicht schreibe, das kann niemand wollen 😀

In deinem Debütroman „Himmelsmacht“ geht es um die Fotografin Katerina, die verhaftet und beschuldigt wird, einen unersetzlichen Kultgegenstand gestohlen zu haben. Sie gerät in parallele Dimensionen und wird in einen uralten Krieg hineingezogen. Schon einmal kam in ihrem Umfeld ein Mensch grausam zu Tode, aber sie kann sich an nichts erinnern. Wie kamst du auf diese Idee?

Wie es das Klischee will, stammen die ursprünglichen Ideen aus einem Traum. Bis daraus aber eine in sich schlüssige Handlung wurde, dauerte es Jahre, in denen ich unzählige erste Kapitel verfasste und wieder verwarf. Die heutige Fassung hat nur noch wenig Gemeinsamkeiten mit meinen ersten Entwürfen und entwickelte sich während des Schreibens ständig fort. Ich bin mehr Bauchschreiberin als Planerin. Ganz ohne Vorarbeiten läuft es auch bei mir nicht, aber in der Regel passe ich lieber einen Handlungsstrang im Nachhinein an, als mich mit Planungsspielen aufzuhalten, die ich dann nachher doch verwerfe.

Dein nächster Roman spielt auf der Trauminsel Hawaii. Hast du eine bestimmte Beziehung zu dieser Gegend?

Ja, 1992 hatte ich das ungeheure Glück, sechs Wochen auf Oahu und Maui bei einer hawaiianischen Familie verbringen zu dürfen. Diese Zeit mit all ihren Eindrücken und Erlebnissen werde ich nie vergessen. Hawaii ist ein Traum an Farben, Düften und Empfindungen, die Menschen sind liebenswert und zuvorkommend. Dazu hatte ich ausreichend Zeit und Gelegenheit, Hawaii auch abseits der Touristenpfade kennenzulernen. Es gibt so viel mehr zu entdecken als Hotels und Hula-Shows. Wenn ich reise, möchte ich immer auch einen Eindruck bekommen vom Alltag der Menschen, was sie bewegt und was sie lieben. Ein bisschen davon konnte ich aufnehmen und in meinem Roman einfließen lassen. Ich habe noch oft Fernweh nach den Inseln.

Wie kam es zu deiner ersten Veröffentlichung? Was waren deine Beweggründe, deinen Roman selbst zu publizieren?

Mit der ›Himmelsmacht‹ bewarb ich mich seinerzeit bei großen Agenturen und nahm am Heyne-Wettbewerb ›Schreiben Sie einen magischen Bestseller!‹ teil. Eine namhafte Agentur forderte tatsächlich das ganze Manuskript an, auch Heyne schickte es erst sehr spät zurück mit der Aufforderung, weitere Manuskripte einzureichen. Für mich war das beinahe schon der Ritterschlag, aber letztlich wurde doch nichts draus. Also hatte ich die Möglichkeit, das Manuskript in der Schublade verschwinden zu lassen, wie es wohl den meisten Erstlingen ergeht, oder es selbst herauszubringen.

Ich habe sehr lange gezögert. Sehr, sehr lange. Vor einigen Jahren noch war Self-Publishing undenkbar, wenn man als Autor in der Branche ernst genommen werden wollte. Ich hatte Angst, mir den Ruf zu verderben. Mit Verbreitung der eBook-Reader und insbesondere durch das KDP-Programm von Amazon wurden selbstpublizierte eBooks jedoch mit einem Mal zu einer echten Option. Denn selbst wenn der Handel sie immer noch boykottiert – die Leser nehmen sie an. Von meinem Manuskript war ich immer noch überzeugt und nach einer erneuten umfänglichen Überarbeitungsphase habe ich es mit der Unterstützung eines professionellen Lektors und einer Grafikerin gewagt, den Roman selbst herauszugeben. Darüber bin ich sehr froh!

Hast du bestimmte Leser im Kopf, für die du schreibst?

Nun, vor allem wohl Leser wie mich selbst 🙂 Ich denke, ich richte mich vor allem an ein weibliches Publikum, das an zwischenmenschlichen Beziehungen aller Art mehr interessiert ist als an blutrünstigen Schlachten, welches sich aber eher für Auslegerboote und Raumschiffe begeistern lässt als für Pumps und Handtaschen.

Woraus ziehst du generell deine Inspiration beim Schreiben? Woher kommen die Ideen?

Frag mich lieber, was mein Ideen-Karussell nicht anstößt. Man muss mir nur ein Stichwort liefern, dann geht es schon los. Ein Bild, ein Gesprächsfetzen, eine Zeitungsmeldung – das Unterbewusstsein ist ein Füllhorn an tollen Ideen. Letztlich sind meine Romane das Ergebnis eines fortgesetzten Brainstormings. Und dann einfach drauflosschreiben. Das Sortieren und Bewerten hebe ich mir für die Überarbeitungen auf.

Irgendwann wurde mir klar, dass ich, wenigstens im Moment, keine Fantasy schreiben möchte, sondern die Mystery-Elemente möglichst realitätsnah als eine Art angewandter Physik erklären. Obwohl Magie und übernatürliche Phänomene faszinierende Möglichkeiten bieten, empfinde ich es zurzeit als spannender, mit gegebenen oder zukünftig denkbaren Voraussetzungen zu spielen.

Du legst dich beim Schreiben nicht auf bestimmte Genres fest. Wie sind deine Erfahrungen damit?

Persönlich finde ich es sehr befriedigend und befreiend. Was die Leser meiner bisherigen Geschichten davon halten werden, muss sich erst zeigen. Mein kommender Hawaii-Roman unterscheidet sich schon sehr von ›Himmelsmacht‹, richtet sich aber auch an ein anderes, jüngeres Publikum. Mehr die Gruppe junger LeserInnen, in der ich mich als Zwölf- bis Vierzehnjährige befand. Ich vertraue einfach darauf, dass es nicht nur die Handlung an sich ist, sondern auch meine Stimme, die den Lesern gefällt. Und warum soll es nicht auch viele andere Menschen geben, die wie ich ein breitgefächertes Interessensspektrum haben?

Wie würdest du deinen Autorenalltag beschreiben? Wo arbeitest du am liebsten? Schreibst du auch mit der Hand?

Wenn mein Tagesablauf es erlaubt, setze ich mich gleich morgens mit meinem Laptop an den Wohnzimmertisch und rufe erst einmal meine Mails auf, immer eine Tasse Kaffee in der Hand. Dann schaue ich, was sich in meinen Lieblings-Foren tut, werfe einen Blick auf meine Twitter-Timeline und öffne schließlich das Dokument, das gerade Vorrang hat. Gerade jetzt ist das der Hawaii-Roman. Gespickt mit Anmerkungen meines Lektors liegt er vor mir und muss nun erneut geschliffen werden. Danach geht das Manuskript zurück zum Lektor. Während ich dann auf die Antwort warte, ziehe ich mir von den verbleibenden Projekten dasjenige zum Überarbeiten heran, das am weitesten gediehen ist und als Nächstes erscheinen soll. Wenn ich mit dieser Runde durch bin, lege ich es weg, um es sich setzen zu lassen, und nehme das nächste Manuskript zur Hand, in dem noch die eine oder andere Lücke klafft. Wenn das erneut lektorierte Hawaii-Manuskript zurückkommt, hat das wieder Vorrang und wird bearbeitet bis zum letzten Schliff. Und wenn mein Kopf irgendwann zu voll ist, dann schreibe ich zur Abwechslung Blog-Beiträge, Buchbesprechungen, denke mir Interviews aus und maile mit Kollegen und Kolleginnen. Dieser Austausch ist mein Lebenselixier und gibt mir die nötige Bodenhaftung. Mit der Hand schreibe ich nur Notizen in ein kleines Buch. Ideen, Mindmaps, Zeitstränge, Fragen, die mir helfen, wenn sich die Gedanken verknotet haben.

Kannst du vom Schreiben leben oder hast du einen „Brotberuf“, der dich ernährt?

Nein, davon kann ich nicht leben. Im Moment bin ich froh, wenn die Einnahmen meine Ausgaben decken. Aber das betrachte ich mit Gelassenheit, schließlich ist mein erster Roman vor gerade einem halben Jahr erschienen. Auch seinerzeit als selbständige Rechtsanwältin war mir klar, dass ein Start-up Anlaufzeit braucht. Wenn es nach fünf Jahren immer noch nicht mehr als die Ausgaben deckt, ist immer noch Zeit, die Segel zu streichen. Solange arbeite ich neben dem Schreiben auf Honorar-Basis an einer Grundschule.

Du führst regelmäßig einen Blog und bist bei Twitter und anderswo aktiv. Welche Bedeutung haben soziale Netzwerke für dich?

Sie sind nicht nur Netzwerk, sondern meine Verbindung zur Welt da draußen, die sich nicht um meinen Teller dreht. Einerseits liefern sie Informationen und die Möglichkeit, selbst zum Info-Pool beizutragen, andererseits habe ich hier die Möglichkeit, mir auch mal all meine Begeisterung von der Seele zu reden, die das nicht-schreibende Umfeld so einfach nicht teilen kann oder möchte. Nicht viel anders als bei Modell-Eisenbahnern oder jungen Eltern, nehme ich an. Und nicht zuletzt habe ich hier echte Freundschaften geknüpft, die seit Jahren auf Vertrauen basieren und gegenseitiger Unterstützung. Ohne sie wäre ich nicht, wo ich jetzt bin.

Welche Kanäle nutzt du sonst zur Vermarktung deiner Bücher?

Sehr hilfreich sind Leser-Rezensionen und Empfehlungen auf Leser-Portalen bzw. die Aufnahme in deren Newsletter. Darüber hinaus plane ich für meinen nächsten Roman eine Verlosungs-Aktion und Online-Leserunden sowie Lesungen vor Publikum, auch virtuell in Second Life. Zurzeit laufen die Vorbereitungen für einen Teaser-Trailer, der bei Youtube hochgeladen werden soll. Das wird eine tolle Sache, auf die ich mich schon richtig freue!

Welche Genres liest du privat? Nutzt du sie zur Inspiration oder helfen sie dir, dein eigenes Projekt für eine Weile zu vergessen?

Querbeet. Im Ausschlussverfahren kann ich eigentlich nur sagen, dass ich keine allzu bluttriefenden Thriller mag. Wenn ich lese, steige ich in die Geschichte komplett ein. Es kann zwar schon mal passieren, dass mir dabei bestimmte Schreib-Techniken auffallen, aber bewusst nehme ich das nicht mit in die eigene Arbeit.

Wie sieht der Werdegang eines Romans bei dir aus? Wie lange dauert in etwa der Prozess, bis das Buch veröffentlicht ist? Wer liest deine Romanentwürfe als Erstes?

Bei meinem ersten Roman ›Himmelsmacht‹ dauerte es naturgemäß am längsten. Die frühesten Entwürfe sind bald zwanzig Jahre alt, die Geschichte lag lange brach. Erste Kapitel habe ich zu Dutzenden geschrieben und verworfen. Erst 2006 packte ich den Wunsch, einen ganzen Roman hinzukriegen, ernsthaft an. Mit viel Schwung schaffte ich damals dann auch recht schnell rund hundertfünfzig Seiten – und dann kam die Flaute. Meine erste Schreibblockade, die ein halbes Jahr anhielt und sich erst löste, als ich das Problem von einer anderen Seite anging und das bisher Geschriebene einfach mal beiseiteließ. Das ist bis heute meine Methode, wenn ich hängenbleibe: Ich springe an eine andere Stelle in der Handlung und verlasse mich darauf, dass ich die Lücke später füllen kann. Bisher hat das immer geklappt, am besten tatsächlich während des NaNoWriMo (National November Writing Month), in dem ich 50.000 Wörter in 30 Tagen schreiben soll. Unglaublich, was die Fantasie hergibt, wenn man keine Zeit für Skepsis oder Selbstkritik hat.

Vor Kurzem las ich irgendwo sinngemäß: Schreiben heißt Sand in einen Sandkasten schaufeln, damit man später – beim Überarbeiten – daraus Burgen und Straßen bauen kann. Daher schreibe ich die Rohfassung eines Romans tatsächlich in ziemlich genau vier Wochen. Diese Fassung lege ich dann für einige Monate weg und lese sie in dieser Zeit auch nicht. Erst mit genügend Abstand mache ich mich ans Überarbeiten, was ein halbes Jahr oder länger dauern kann. Und DANN erst kommt die Lektoratsphase, die wiederum einige Monate in Anspruch nimmt. Insgesamt schätze ich, dauert es zwei bis drei Jahre bis zur Veröffentlichung. Das kann ich mir leisten, da ich einen Vorrat an Romanen habe, die ich jetzt nach und nach veröffentlichen werde. Vorher lesen sie nur ein oder zwei Testleser aus meiner privaten Schreibgruppe.

Wie reagierst du auf negative Kritiken?

Nach jahrelanger Erfahrung in einem Textkritikforum, in dem nicht nur gelobhudelt wurde oder verrissen, sondern konstruktiv am Text gearbeitet wurde, habe ich gelernt, das spontane Gefühl von Zurücksetzung richtig einzuschätzen. Das Ego mag nun mal lieber gestreichelt werden als getadelt, aber manchmal ist ein Schubs in die richtige Richtung dringend notwendig. Mit etwas zeitlichem Abstand kann ich viel besser erkennen, ob eine Kritik gerechtfertigt ist – und oft genug ist sie das. Dann versuche ich, es beim nächsten Mal besser zu machen. Manchmal ist aber auch überhaupt nichts dran, dann nehme ich mir die Kritik nicht länger zu Herzen. Allen kann man es sowieso nicht recht machen, und jeder hat ein Recht auf eigene Meinung.

Wirst du oft von anderen Menschen auf deine Bücher angesprochen?

Nur, wenn ich ihnen auf die Nase binde, dass ich schreibe 😀
Im Ernst, die Scheu, mich als jemand zu outen, der anderen etwas erzählen will, ist noch immer groß. Aber wenn mich tatsächlich jemand darauf anspricht und womöglich ein Lob für meine Geschichten hat, freue ich mich königlich.

Kannst du etwas über deinen nächsten Roman, der Ende Juli erscheinen soll, erzählen?

In dem Jugendroman ab 12 darf die fünfzehnjährige Deutsch-Hawaiianerin Lela ihren Vater endlich zum ersten Mal in seine Heimat begleiten und verliebt sich – nicht nur in die Insel. Es wäre ein perfektes Paradies, wenn nicht der Opa krank wäre und in der Familie alte Konflikte aufbrächen. Unversehens soll Lela eine Seite wählen: die ihres Vaters oder die ihrer ersten großen Liebe. Aber da haben die anderen nicht mit ihr gerechnet!

Wenn du Neuautoren einen Rat geben wolltest, was würdest du empfehlen? Einen Agent oder einen Verlag suchen? Oder gleich selbst publizieren?

Das ist eine sehr schwierige Frage, auf die es in meinen Augen keine eindeutige Antwort geben kann. Ob man sich für den traditionellen Weg mit Agentur und Verlag entscheidet oder seine Bücher selbst herausgibt, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Nicht alle haben mit den eigenen Fähigkeiten zu tun. Es wird ja gerne so dargestellt, als hätten »gute« Autoren es nicht nötig, ihre Bücher selbst zu veröffentlichen, weil sich die Verlage um sie schlügen. Leider ist das nicht so. Dazu kommen die Bedingungen in Autorenverträgen zunehmend einem Total-Ausverkauf an Rechten gleich. Wer noch voller Enthusiasmus und in Unkenntnis der Mechanismen der »Buchindustrie« einen solchen Vertrag unterschreibt, dem steht womöglich ein unschönes Erwachen bevor. Dennoch kann ich nicht uneingeschränkt jedem empfehlen, sein eigener Herausgeber zu werden. Das setzt eine Menge Kenntnisse und Fertigkeiten und/oder Kontakte zu Profis voraus, die beim Erstellen des Buches, des Covers, beim Hochladen, beim Marketing und bei der Öffentlichkeitsarbeit helfen. Ich weiß von vielen Kollegen, die einfach nur schreiben wollen, sonst nichts. Für mich persönlich jedoch stellt sich das Self-Publishing mehr und mehr als genau richtig heraus. Nicht nur wegen der vielgerühmten Kontrolle über das Ergebnis, auch weil ich in den Entstehungsprozess alle meine Stärken und Interessen einfließen lassen kann.

Liebe Sabine, ich danke dir für dieses Interview und wünsche dir weiterhin viel Spaß und Erfolg mit deinen Büchern!


– erschienen am 01.04.2014 in Petra Foedes ebook-café:

Liebe Sabine, Sie sind ja eigentlich Rechtsanwältin und Informatikerin – wie sind Sie dazu gekommen, einen fantastischen Mystery-Thriller zu schreiben? War es schon immer Ihr Traum, einen Roman zu veröffentlichen?

Huh! Da muss ich gleich vorweg betonen, dass ich meine Zulassung als Rechtsanwältin schon 2001 zurückgegeben habe. Damals konzentrierte ich mich vor allem auf die Informatik – bis mir das Hegen und Pflegen von Kindern noch spannender erschien.

Meine liebsten Genres, schon als Kind, hatten immer mit abenteuerlichen Welten zu tun, in denen es galt, verschiedenartige Rätsel zu lösen, Verfolgern zu entkommen und jemanden zu retten. Das konnten Götter- und Heldensagen sein oder Spionagethriller, reale und erfundene Reiseabenteuer oder Science Fiction. Irgendwann kam der Herr der Ringe und eine Weile drehte sich alles um die Fantasy. Gerade finde ich wieder zurück zur SF, der Speculative Fiction. Geschrieben habe ich schon immer, glaube ich. Die Idee zu „Himmelsmacht“ kam mir tatsächlich im Traum. Eigentlich waren es sogar zwei Träume. Eine der beiden Szenen ist in etwas abgewandelter Form noch im Roman enthalten. Und vor allem die Grundidee: Die Sache mit dem Ibis. Ich lese viel, und ja, es war schon immer mein Traum, ein Buch zu schreiben, das auch andere lesen möchten.

Verraten Sie uns drei Gewohnheiten oder Vorlieben, die für Sie typisch sind?

Ich bin eine Nachteule. Nicht, dass ich nicht gerne schlafe, – das tue ich sogar sehr gerne – aber ich liebe die stillen Stunden, in denen ich meine Gedanken ganz für mich habe. Ich esse gerne würzige und ausgefallene, neue Gerichte, was von Kindern leider gewöhnlich nicht toleriert wird. Deshalb freue ich mich immer riesig, wenn man mich zu einem irgendwie exotischen Essen einlädt! Für meine früheren Mathelehrer vermutlich sehr überraschend: Ich rechne gern. Es ist eine späte Liebe. Mathematik fliegt mir nicht zu, mit dem Kopfrechnen stehe ich nach wie vor auf Kriegsfuß, aber ich finde Zahlenspielereien faszinierend. Für mich ist das wie Kreuzworträtseln.

Um was geht es in dem Roman „Himmelsmacht“?

Katerina ist eine pragmatische junge Frau, die einerseits die Welt um sich herum sehr farbig und kraftvoll wahrnimmt, andererseits scheint immer etwas zu fehlen. Seit ihrer Rückkehr aus Griechenland fühlt sie sich beobachtet. Dann wird sie auch noch verhaftet und beschuldigt, einen Kultgegenstand gestohlen zu haben, der einer Sage nach Tote zum Leben erwecken kann. Natürlich hält sie so etwas für Unsinn. Doch bei ihrem Fluchtversuch öffnen sich Türen in parallele Dimensionen, und niemand ist, was er zu sein vorgibt. Katerina wird in einen uralten Krieg hineingezogen, und alles deutet darauf hin, dass sie im Zentrum des Konflikts steht. Katerina muss folgenschwere Entscheidungen treffen, persönliche Opfer bringen und sogar die engsten Freunde verraten, um dem Töten Einhalt zu gebieten und eine Antwort zu finden auf die wichtigste aller Fragen: Was stimmt nicht mit ihr?

Haben Sie außer der Protagonistin eine Lieblingsfigur in diesem Buch?

Das ist eine schwierige Frage. Im Laufe von beinahe zwanzig Jahren (ach je, wann ist das denn passiert?!) sind sie mir alle sehr ans Herz gewachsen. Vielleicht Bergmann, Katerinas Gegenpart, noch ein bisschen mehr als die anderen.

Arbeiten Sie bereits an einem weiteren Roman, können Sie dazu etwas verraten?

Ich arbeite zurzeit vor allem an einem zeitgenössischen Jugendroman, über eine fünfzehnjährige Deutsch-Hawaiianerin, die zum ersten Mal die Heimat ihres Vaters kennenlernt. Der Roman soll noch in diesem Frühjahr ins Lektorat. Er wird ebenfalls als eBook und Taschenbuch erscheinen. Daneben überarbeite ich drei weitere Romane: zwei Thriller, davon ein Jugendroman, und ein SF-Roman.

Haben Sie Kontakt zu anderen Selfpublishern, nutzen Sie soziale Netzwerke? Falls ja, wie sind Ihre Erfahrungen?

Netzwerken ist genau mein Ding. Nicht nur wegen des Austauschs unter Kollegen, sondern weil ich ein kommunikativer Mensch bin. Bei Twitter und in verschiedenen Foren forsche ich täglich nach Neuigkeiten und versuche andere an meinen Entdeckungen teilhaben zu lassen. Es plaudert sich auch einfach schön mit Gleichgesinnten. Gerade unter Indie-Autoren ist der Zusammenhalt recht gut, wir lernen ja alle immer noch voneinander. Aber auch Kontakt zu Verlagsautoren zu halten und solchen, die beides vereinen, ist großartig. Da gibt es viel mehr Gemeinsamkeiten als Trennendes. Natürlich entstehen – gerade in großen, öffentlichen und anonymen Foren – auch mal Reibereien und ausgewachsene Kräche. Aber mit den Jahren habe ich gelernt, das nicht mehr so persönlich zu nehmen. Ein paar Schritte zurückzutreten und mir in Ruhe ein Bild von der Lage zu machen. In der Hitze des Gefechts versteht man schon mal etwas vollkommen anders als es gemeint war. Manches ist auch einfach nur Provokation, die man nicht ernstzunehmen braucht. In aller Regel überwiegt in guten Foren aber die freundschaftliche Zusammenarbeit. Die anderen meide ich.

Wenn Sie eine literarische Figur treffen könnten, welche wäre das (und warum)?

Momo aus dem gleichnamigen Roman von Michael Ende. Wegen ihrer Fantasie, ihrer Zufriedenheit, ihrem Mitgefühl und ihrer Geduld. Ein Treffen mit ihr wäre wie zwei Wochen Urlaub.

Welche Autoren und Bücher inspirieren Sie als Autorin? Gibt es Vorbilder?

Wo soll man denn da anfangen? Die Liste ist unerschöpflich. Viele, viele Bücher haben mich im Innersten angesprochen. Auf ganz unterschiedliche Weise und in unterschiedlichen Lebenslagen. Wahrscheinlich haben alle etwas gemeinsam, und wenn ich raten sollte, würde ich tippen, es hat mit Wahrhaftigkeit zu tun. Wenn der Roman nicht aus Textbausteinen besteht, sondern aus wirklichen Gedanken. Wenn ich mich beim Lesen nicht nur gut unterhalten fühle, sondern auch neue Erkenntnisse spüre, ganz egal wie bedeutend oder unbedeutend fürs tägliche Leben. Eine solche Wirkung meiner Bücher auf ihre Leserschaft wäre das Größte, daran arbeite ich. Vorbilder in dem Sinne, dass ich so schreiben möchte wie sie, suche ich nicht. Im Gegenteil, ich bin dazu übergegangen, solche Stellen aufzuspüren und in meine eigene Stimme zu übersetzen. Das ist nur einer von vielen Entwicklungsschritten.

Auf welche Erfindung der letzten Jahrhunderte wollten Sie nicht mehr verzichten (abgesehen von Handy und Internet)?

Wasch- und Spülmaschine! Und die Sitzheizung im Auto, frau wird nicht jünger.

Lesen Sie privat auch ebooks oder doch vor allem gedruckte Bücher?

Seit ich einen eBook-Reader habe, lese ich sogar wieder viel mehr als vorher. Er ist immer dabei, neue Lektüre ist leicht beschafft, und es gibt eine riesige Auswahl an guten Indie-Büchern. Die habe ich jahrelang vermisst, ohne zu ahnen, dass es sie gibt. Wenn man überall immer die gleichen Genres, die gleichen Bestseller vorgehalten bekommt, kann man leicht auf den Gedanken kommen, es gäbe keine anderen Bücher. Nichts gegen Papier, ein schönes Hardcover ist ja eine Augenweide, dennoch bin ich heilfroh um diese Ergänzung.

Liebe Petra, vielen Dank für Ihre Fragen, es hat Spaß gemacht!

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