Im Interview: Petra Foede – Übersetzerin, Bloggerin und vieles mehr

.Das Beste an dieser ganzen Social Media-Sache ist, Menschen kennenzulernen, die man sonst vielleicht nicht oder nicht so bald getroffen hätte. Im Internetz reicht dagegen manchmal eine kleine Randnotiz und schon beginnt etwas Neues.

Nach der Veröffentlichung meines Romans Himmelsmacht entdeckte ich eine Empfehlung dafür in Petra Foedes ebook-cafe. Seither schmökere ich in ihrem Blog herum, entdecke dort spannende Rezensionen, Interviews und Hintergrundinformationen.

Da meine Neugier schon mal geweckt war, wagte ich es, Petra anzuschreiben und aus der daraus folgenden E-Mail-Korrespondenz ergaben sich zwei Interviews. Eines, in dem sie mir für ihre Rubrik „Coverstory“ Fragen stellte – und das nachfolgende:


Update 19.08.2016: Petra Foedes Blog ist nicht mehr online. Ihr Interview mit mir findest du in meinem Archiv: >>klick<<


Petra Foede ist in Kassel geboren, hat längere Zeit in Rheinland-Pfalz gelebt und wohnt nun seit einigen Jahren in Berlin. Bis 2005 arbeitete sie als Redakteurin bei einer Tageszeitung.

Petra Foede ebook-cafe
(c) Petra Foede

Liebe Petra, Sie sind Journalistin, Autorin, Lektorin, Übersetzerin, Bloggerin – ist das ein Gesamtkunstwerk oder bevorzugen Sie eine Tätigkeit vor den anderen?

Ich bin das alles, wenn auch nicht immer alles gleichzeitig. Angefangen habe ich nach dem Studium als Journalistin bei einer Tageszeitung, dann war ich freie Journalistin und habe ein Sachbuch über kulinarische Legenden geschrieben. Mittlerweile bin ich vor allem literarische Übersetzerin, kann mir aber auch durchaus vorstellen, irgendwann wieder ein Buch zu schreiben. Nur in den Tageszeitungsjournalismus werde ich wohl nicht mehr zurückkehren.

Huhn oder Ei: Kamen Sie durchs Lesen zur professionellen Arbeit an Texten oder lesen Sie viel, weil es der Beruf mit sich bringt?

Sowohl als auch. Aber ich habe schon als Kind sehr gerne und sehr viel gelesen, schon in der Grundschule war ich begeisterte Nutzerin der kleinen Leihbibliothek unseres Ortes – also der klassische Bücherwurm. Zu der Liebe zum Lesen und zu Büchern ist dann irgendwann das Interesse am Schreiben hinzugekommen. Allerdings hatte ich früher keinerlei schriftstellerische Neigungen, mich hat am Journalismus immer auch die Recherche gereizt und die Begegnung mit Menschen. Das vermisse ich jetzt hin und wieder „im Elfenbeinturm“.

Ihre Übersetzung »Zwölf Jahre als Sklave« ist gerade als eBook erschienen. Hat die Arbeit an diesem Stoff bei Ihnen Spuren hinterlassen?

Cover-Northup-neu

Es war nicht ganz leicht, dieses Buch zu übersetzen, weil es einige Szenen enthält, die durchaus unter die Haut gehen. Nach mehreren Stunden Übersetzen habe ich mich manchmal schon ziemlich ausgelaugt gefühlt, weil es eben Kraft und Energie kostet, auch psychisch. Man schlüpft beim Übersetzen ja in die Rolle des Erzählers oder der handelnden Personen, ähnlich wie Schauspieler. Aber ich habe schon als Journalistin gelernt, eine gewisse professionelle Distanz aufzubauen – sobald ich den Text abspeichere und das Buch zur Seite lege, tauche ich aus der Geschichte wieder auf und lege sie auch gedanklich beiseite. Insofern hat „Zwölf Jahre als Sklave“ keine dauerhaften Spuren bei mir hinterlassen, jedenfalls keine emotionalen.

Sie sind Autorin des Sachbuches »Wie Bismarck auf den Hering kam«, eines humorigen Nachschlagewerks über kulinarische Legenden. Wie kamen Sie zu dieser Idee? Wie haben Sie dafür recherchiert? Erfinden Sie auch eigene Rezepte?

Ich bin ja auch Historikerin mit dem Schwerpunkt Kulturgeschichte. Irgendwann habe ich mich mal für die Herkunft des Croissants interessiert, im Internet gesucht und eine ganz tolle Geschichte gefunden – die frei erfunden war. Ich habe schnell gemerkt, dass es ganze Bücher voller kulinarischer Legenden gibt, die ganz ernsthaft als Wahrheit verkauft werden. Das Thema hat mich gereizt und nach Gesprächen mit Freunden und Bekannten habe ich mich entschlossen, ein eigenes Buch zu schreiben, das dann bei Kein & Aber erschienen ist. Für die Recherche habe ich gut ein Jahr gebraucht, wobei ich einiges im Internet recherchieren konnte, aber ich habe auch etliche Bücher gelesen und vor allem auch in alten Kochbüchern recherchiert. Ich kann zwar kochen, bin am Herd aber nur mäßig begabt, deshalb wandele ich Rezepte hin und wieder ab, aber ich erfinde selbst keine.

Woran arbeiten Sie gerade? Dürfen wir ein bisschen darüber erfahren?

Ich gönne mir nach jedem übersetzten Buch eine kleine Pause, um wieder Energie zu tanken. Mittlerweile sitze ich aber wieder täglich am PC und hoffe, in einigen Wochen das Ergebnis präsentieren zu können. Es wird ein Kinderbuch sein, aber diesmal übersetze ich nicht, sondern ich erzähle ein bekanntes Märchen neu nach – welches es sein wird, möchte ich noch nicht verraten.

Wie beginnen Sie Ihren Arbeitstag?

Zunächst mal mit einem Kaffee 😉 Wenn ich morgens den PC einschalte, checke ich als erstes meine Mails und sehe nach, ob etwas Wichtiges dabei ist. Danach besuche ich diverse ebook- und Bücherblogs, die ich regelmäßig verfolge, und noch ein paar kulinarische, ehe ich bei Facebook vorbeischaue, was es da so Neues gibt. Meine ersten Aktivitäten gelten also den Social Media. Danach fange ich dann mit meiner eigentlichen Arbeit an, also dem Schreiben.

Wo befände sich ihr idealer Arbeitsplatz? In einer stillen Stube? Im Café? In den Bergen? Am Meer? Auf einer Wiese am See?

Wenn ich die freie Wahl hätte, dann stände mein Schreibtisch auf jeden Fall in einem Haus am Meer, direkt an einem Fenster, von dem aus ich freie Sicht aufs Wasser hätte. Das stelle ich mir ganz wunderbar vor. Leider wird das ein Traum bleiben.

Stift und Papier oder lieber Computer?

Notizen mache ich immer noch ganz altmodisch von Hand in karierte Notizblöcke, ich empfinde das auch als kreativer, wenn der Stift so über das Papier gleitet … Aber schreiben und übersetzen kann ich ausschließlich am Computer. Ich ändere und korrigiere so viel, auch schon während des Schreibens, das wäre anders kaum machbar.

Seit wann betreiben Sie Ihren Bücher-Blog, das »Ebook-Cafe«? Wie kamen Sie zu dieser Idee? Welche Bedeutung haben soziale Netzwerke für Sie?

Meinen Blog ebook-cafe.de gibt es seit mittlerweile einem Jahr. Auf die Idee dazu bin ich gekommen, weil ich selbst ebooks veröffentliche und aus Erfahrung weiß, dass die meisten Bücherblogger bisher nur Gedrucktes lesen und besprechen. Außerdem wollte ich Selfpublisher und Verlagsautoren berücksichtigen und auch nach den gleichen Kriterien bei meinen Rezensionen bewerten.

Soziale Netzwerke sind auf jeden Fall wichtig, ich bin in einigen Facebook-Gruppen und auch in Internet-Foren aktiv, muss aber zugeben, dass ich eigentlich noch zu wenig mache. Übersetzerinnen stehen aber nie so im Fokus der Öffentlichkeit wie Autorinnen, insofern ist es da auch auf jeden Fall schwieriger, sich als Selfpublisherin so etwas wie eine „Fan-Base“ aufzubauen.

Liebe Petra, herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit hierfür genommen haben!

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