Hyper, hyper!

Schonmal von acht bis zweiundzwanzig an einem Projekt gearbeitet? Dann weißt du wovon ich spreche. Du stehst unter Strom, bis irgendwann der Rollo runterrasselt und du einfach auf die Couch fällst und einpennst. Heute morgen geht es einigermaßen.

Was los war? Ich fürchte, schon wieder ein neues Buchprojekt. Also, nicht vollkommen neu, denn das Manuskript ist in der Erstfassung schon fertig geschrieben. Aber ich habe es gestern zum ersten Mal seit zwei Jahren gelesen, wie eine Fremde, und ehrlich gesagt — ich hab mich köstlich unterhalten *blush*

Irgendwer behauptet ständig, man solle sich nicht selbst loben, das sei eitel und unangemessen. Die Wahrheit ist jedoch, wenn mir als Autorin mein eigener Roman schon keinen Spaß macht, kann ich ihn nicht gut anderen zumuten. Wenn er mir aber Spaß macht, dann darf ich das auch sagen, alles andere wäre doch Augenwischerei  😉

Ich hab mich also in meinem eigenen Roman festgelesen, während ich erste Korrekturen vornahm. Überraschenderweise scheint mir das Thema Cosy-Crime zu liegen. Schon beim Schreiben im NaNoWriMo 2014 hatte ich meinen Spaß, das weiß ich noch gut. Lea Walsh, Ltd (was bisher noch Arbeitstitel ist, aber ich mag den wirklich gern, also mal sehen …), das ist also ein sogenannter Cosy-Crime.

Huh? Was dasn?

Über Cosy-Crimes — oder Cozy Mysteries im US-amerikanischen Sprachgebrauch — sagt uns die englischsprachige Wikipedia, sie seien

„[..] a subgenre of crime fiction in which sex and violence are downplayed or treated humorously, and the crime and detection take place in a small, socially intimate community. [..]“

Frei übersetzt: Cosy-Crimes (bleiben wir bei dem Begriff, der sich im deutschen Literaturraum eingebürgert hat) sind ein Subgenre der Kriminalliteratur, in dem Sex und Gewalt heruntergespielt oder humorvoll behandelt werden, und Verbrechen und Aufklärung in einem kleinen, familiären Umfeld stattfinden.

Erst vor Kurzem kam in einer privaten Schreibgruppe das Gespräch darauf, dass diese Krimis, nach einem ersten Boom in den Neunzigerjahren (bei dem vor allem englischsprachige Autoren federführend waren) lange bei uns brachgelegen hatten. Zu groß die Dominanz der deutlich härteren Skandinavien-Krimis und Serienkiller-Thriller anglo-amerikanischer Machart. Seit einiger Zeit ist jedoch wieder zu beobachten, dass der Cosy-Crime ein Comeback probt, auch aus deutsch-sprachigen Federn fließend.

Als ich meine Lea Walsh schrieb, ahnte ich das noch nicht. Vielleicht hatte ich unbewusst irgendwelche Signale vom Markt aufgefangen. In erster Linie schrieb ich diesen Roman jedenfalls aus einem Anfall von Nostalgie heraus. Kennst du noch Nancy Drew? Diesen amerikanischen Teenager, später junge Erwachsene, die auf eigene Faust Kriminalfälle löst? Nancy Drew hat alles und kann alles. Ihr stehen Tür und Tor offen. Typisch amerikanische Upper Middle Class eben. Aber daraus entstanden immerhin unzählige Folgebände, die millionenfach in vielen Sprachen von Leser(inne)n verschlungen wurden, verfilmt und für Videospiele adaptiert. So schlecht kann das Konzept also gar nicht sein.

Nur halt nicht sehr glaubhaft im deutschen Setting. Ich überlegte, wie eine solche Reihe für meinen Geschmack aussehen könnte. Wo könnte es spielen? Wer wären die Protagonisten? Welche Art Fälle wären unterhaltsam und regional nicht zu begrenzt? Ehrlich gesagt, lag ich dabei in der Badewanne, türmte Schaumkrönchen auf und fantasierte vor mich hin, bis ich plötzlich Angst bekam, meine Ideen wieder vergessen zu haben, bevor ich eine Chance hatte, sie aufzuschreiben. Deshalb habe ich sie so schnell wie möglich, noch tropfend und in einen Bademantel gewickelt, in mein Notizbuch gekritzelt. Bis zum NaNo hatte die Idee etwas Zeit zu reifen — und da ist er nun, der erste Band von einer möglichen Reihe. (Und falls nicht, steht der Roman auch gut auf eigenen Füßen.)

Die Studienabbrecherin Lea kommt aus guter Familie, lebt mit einer quirligen Studentin in einer Zweier-WG in Münster und jobbt als Kellnerin in einer angesagten Kneipe. Eine ganz normale junge Frau halt, die sich mit flappsigen Sprüchen und manchmal gut versteckter Herzlichkeit durchs Leben schlägt, die Dinge von allen möglichen Seiten beäugt und dabei auch mal übers Ziel hinausschießt. Dazu noch immer Ärger mit den Kerlen, und die eigenen Hormone wollen auch nicht immer so wie sie will. Dann stolpert sie unversehens mitten in einen Kriminalfall. Anfangs sind es noch Freundschaft und Pflichtgefühl, die sie dazu treiben, selbst Ermittlungen anzustellen, doch je tiefer sie sich in die Sache verstrickt, um so persönlicher wird das alles. Bis sie auf einmal selbst ins Visier des Täters gerät.

Für das Erscheinen peile ich den Herbst an. Vorher muss ich auch noch ein paar Episoden Nat & Joey schreiben und Bilder dafür machen, und, und …

„Time is fleeting
Madness takes its toll…“

aus: The Rocky Horror Picture Show

Also hau rein in die Tasten. Wir sehen uns!

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