Hol’s Stöckchen!

Nein, ich bin nicht auf den Hund gekommen.

Es geht um den berüchtigten inneren Schweinehund. Der mit dem treuen Hundeblick, der vor dir steht und dich von der Arbeit abhält. Nichts da! Jetzt gehe ich nicht im Internet Gassi. Jetzt öffne ich meine Datei und feile weiter an meinem aktuellen Roman-Projekt, jawohl!

Es ist wie mit allem anderen: Man muss sich einfach dransetzen und anfangen. Anders geht’s nicht. Ich brauche einen Kaffee? Ein Stück Schokolade? Jetzt nicht. Erst ein Kapitel durchgehen, dann gibt’s die Belohnung.

Eigentlich müsste es ganz leicht von der Hand gehen. Leichter jedenfalls als die Erstfassung zu schreiben. Leichter als die erste inhaltliche Überarbeitung. Jetzt geht es doch nur noch ums sprachliche Feilen.

Habe ich „nur“ gesagt? Think again.

Da sitze ich nun und schraube an jedem einzelnen Satz, jedem einzelnen Wort. Da fliegt ein Komma raus, stattdessen setze ich einen Punkt. Und füge einen Absatz ein. Oder lieber doch andersrum? Ist dieser Satz zu lang? Zu verschwurbelt? Oder ist er ein wunderschönes Bild, das durch Vereinfachung einfach nur plattgewalzt würde?

Natürlich verändert sich der eigene Stil, die eigene Sprache im Lauf der Jahre. Wo ich noch vor ein, zwei Jahren in opulenten Wortgemälden geschwelgt hätte, sagt mir heute mein innerer Lektor klipp und klar: No more bullsh*t. Was sicher damit zusammenhängt, dass sich mein eigener Lesegeschmack (mal wieder) gewandelt hat.

Letztlich ist es oft die eigene Tagesform, die darüber entscheidet, welchen Stil, welche Sprache man als angemessen empfindet. Irgendwo las ich kürzlich, wenn man beim Überarbeiten nur noch Kommas rumschiebt oder einzelne Absätze herumscheucht, dann ist es Zeit aufzuhören. Dann gibt man das Manuskript besser in die treusorgenden Hände eines Lektors und beschäftigt sich mit etwas anderem. Die nächste Runde steht noch früh genug ins Haus, wenn der Text zurückkommt: gespickt mit Lektoren-Anmerkungen.

Was fiept und winselt denn da? Verflixt, es ist der Schweinehund, er hat mich drangekriegt! Statt am Text zu feilen, sitze ich hier und blogge. Also, jetzt aber: Aus! Sitz! Schreib!

Falls mich jemand sucht: Ich poliere den Hawaii-Jugend-Roman.

Aloha!

8 Comments

  1. Ich schon wieder, Sabine. 🙂 Geht mir gerade genauso. Ich überlege sogar, ob ich noch eine neue Perspektive hinzufügen soll. Habe ihn ausgedruckt und korrigiere ihn
    ein letztes Mal, und hoffe, das es das dann wirklich gewesen sein soll …

    LG
    Christa

    1. Ha, Christa, das kenne ich! Eigentlich ist alles im Kasten und plötzlich juckt es in den Fingern, etwas ganz Grundsätzliches wieder umzuschmeißen … Keine Ahnung, was das ist. Vielleicht die Angst vor der eigenen Courage?

      Liebe Grüße
      Sabine

  2. Bei mir ist es, glaube ich, die Angst vorm Ueberfluessig-werden. Die Angst, ein Romanautor ohne Roman zu sein. Ohne DEN Roman. Solange ich irgendwo „und“ gegen „aber“ tausche, kann ich zumindest so tun, als braeuchte er mich noch, bin ich nicht ganz so bestellt und nicht abgeholt, nicht ganz so die Sitzengelassene mit den rotgeheulten Karnickelaugen, deren Schoener jetzt loszieht, um mit anderen zu tanzen.

    Trotzdem einen schoenen Tag – geniess ihn, solange Du ihn hast (meiner ist weg).
    Herzlich,
    Charlie (ohne)

    1. Das höre ich oft. Merkwürdigerweise ist es mir bisher noch nicht so gegangen, weil da immer schon ein neuer Roman auf mich wartet. Ich glaube, ich muss jetzt lernen, damit zu leben, wenn mir einzelne Stellen so später nicht mehr gefallen. Dass es so etwas wie einen perfekten Text eben nicht gibt.

      Liebe Grüße
      Sabine

      1. Kannst Du den Abgabetermin nicht ein bisschen schieben lassen?
        Nein, perfekte Texte gibt’s ganz bestimmt nicht, und wenn, dann haetten nicht wir sie geschrieben, sowas schaffen immer nur die anderen – aber das Gefuehl, einen Text abzugeben, der noch nicht der beste ist, den das kleine Ich zustande bringt, das faende ich sehr unangenehm.
        In der Regel lassen sich doch ein paar Tage schinden?
        (Wobei Du natuerlich Recht hast. Der neue Roman wartet und man bringt sich in immer exquisitere Zwickmuehlen. Ich hab das gerade gemacht und sollte nicht andere dazu bequatschen, sondern zusehen, dass ich hier den fliegenden Wechsel vollziehe – auch wenn ich den alten Roman geliebt habe und den neuen nicht mag.

        Gute Nerven und eine einigermassen zufriedene Abgabe!
        Herzlich,
        Charlie

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