Heute ist Dienstag

… na gut, dann weiß ich ja schon, was ich zu tun habe.

Mach ich mir mal nichts vor: Du weißt, wovon ich spreche, wenn du hier — in diesem Beitrag — landest. Denn dann gehörst du zu den handverlesenen Menschen, die meinen Blog tatsächlich lesen. Du weißt, dienstags folgt jeweils ein neues Kapitel meines abenteuerlichen Jugendbuchs Leilani | Wohin das Herz gehört. So wird es auch heute sein … nach diesem Eintrag.

In letzter Zeit habe ich wenig anderes gebloggt, als neue Kapitel aus diesem Buch. Das empfinde ich nicht als Manko, denn ich liebe dieses Buch und wenn ich ihm auf diese Weise zu Lesern verhelfen kann: Hurra! Aber ich bin in erster Linie Schriftstellerin, keine Online-Redakteurin. Schriftsteller schreiben. Meistens unbeobachtet. Noch dazu bin ich Roman-Schriftstellerin, die Langform liegt mir am besten. Also sollte ich mich gar nicht hier herumtreiben und bloggen, sondern Romane schreiben. „Warum sollte überhaupt jemand bloggen?“, las ich letztens auf der Social Media-Plattform mit dem F. „Mit Blogs kann man doch gar kein Geld verdienen, oder verkauft man dabei etwa tatsächlich mehr Bücher?“ Also, abgesehen davon, dass viele Blogger sehr wohl Geld verdienen, sei es durch Werbeeinnahmen oder weil sie diesen Job für ein Online-Portal oder eine Marketingfirma oder ein Content-Creator-Unternehmen ausüben — abgesehen davon ist es wohl tatsächlich so, dass man durch bloggen Leser auf seine Bücher aufmerksam machen kann. Es ist eine Milchmädchen-Rechnung: Wenn dich keiner kennt, weiß niemand, dass es deine Bücher gibt. Nur! Nur, weil du auf Däubel-komm-raus bloggst, heißt noch lange nicht, dass sich an dieser Lage irgendetwas ändert.

Blogs gibt es bekanntlich im Dutzend billiger und alle konkurrieren um dich, den Leser, die Leserin. Wir befinden uns also in genau der selben Ausgangslage wie zuvor: Wenn dich keiner kennt, liest auch keiner deinen Blog.

Und wie kommst du raus aus diesem Dilemma? Liegt doch auf der Hand! Facebook, Twitter, Google+, Snapchat, Instagram, Pinterest, … you name it. Du postest da einfach deine Links und Bingo! Ja, oder nicht? Nicht. Denn auch da gilt: Wenn dich keiner kennt, hast du keine Follower, die deine Links anklicken. Frustrierend. Nein, eine neue Strategie muss her. Eine, die dich endlich aus diesem Schatten rausholt, damit endlich die richtigen Leute entdecken, dass es dich gibt, dass es deine Bücher gibt!

Ich sag nur: Hamsterrad.

Na ja, eigentlich nicht, denn ich bin gar nicht erst richtig reingeklettert in dieses Rad. Mir wurde schon beim Zugucken schwindlig, genau wie auf der Kirmes, wo ich auch lieber Reibeplätzchen esse. Also bin ich nicht mitgerannt, sondern sah den anderen beim Rennen zu, sah zu wie sie sich zunehmend Auszeiten verschrieben, weil sie aus der Puste kamen und dann doch wieder mitrannten, weil ein Ausstieg eben sozialmedialer Selbstmord ist. Kaum besser als gar nicht erst mitzurennen, sozialmedial genauso tot zu sein und sich Vorwürfe zu machen, dass man das einfach nicht gebacken kriegt mit der Spontanität, dem Charisma und der unerschöpflichen, mitreißenden Energie. Dass ich die anderen einfach nicht davon überzeugen kann, in genau meinen Büchern genau das zu finden, was sie die ganze Zeit suchen.

Und die Zeit läuft mir weg. Mit jedem Tag, an dem ich kein neues Buch herausbringe, verliere ich alte Leser. Isso. Also muss ich mich motivieren, auch wenn nichts dafür spricht, dass „es sich lohnt“. Denn wenn ich mich gehen lasse, wenn ich nicht mehr schreibe, drehe ich irgendwann erst recht durch. Also schreibe ich, renne mit dem Kopf gegen die Wand, drücke ein Pflaster drauf und schreibe weiter, renne gegen die Wand … Ein Adrenalin-durchflutetes Desaster.

Diese Arbeitsweise hat mich in jüngster Zeit krank gemacht. Erst nur „gefühlt“ — im Unvermögen, meine Projekte weiter zu bearbeiten, zu bloggen oder auch nur mit dem üblichen Elan an Gemeinschaftsprojekten teilzuhaben. Aber ich wurde auch „richtig“ krank und der Zusammenhang mit meiner Krise als Schriftstellerin liegt auf der Hand. Nun ist es nicht meine Art, darüber in Panik zu verfallen. Ich gehöre zu der Art Menschen, die Krisen stets nutzt, um Wege aus der Krise mit Mitteln der Krise zu suchen. Das ist wie beim Aikido: Du nutzt die Energie des Gegenübers für dich. Wenn mich also verschwenderischer Umgang mit meinen Ressourcen krank gemacht hat, dann macht Rückbesinnung auf meine Stärken und wahren Ziele mich wieder gesund. (Und die Medizin, natürlich 😉 )

Hier und da habe ich es bereits angedeutet, und immer wieder falle ich darauf zurück: Wer bin ich, was schreibe ich, wieso? Diese Frage klärt sich nicht in einem großen Aha-Moment, es ist ein Prozess. Lange, nachdem mir schon klar war, welchen Weg ich als Schriftstellerin einschlagen will, tappe ich aus alter Gewohnheit noch in dieselbe falsche Richtung. Und das geht vielleicht noch eine ganze Weile so. Allerdings werden die Abstände kürzer, in denen ich hochschaue und merke: Eigentlich wolltest du doch … Und deshalb heute dieser Post.

Eigentlich will ich doch Romane schreiben.

Ich will kein Promi sein. Ich will keine Schar von Fans dirigieren. Ich will keine Vorträge halten. Ich will kein Marketingkonzept. Ich will den Markt nicht befriedigen. (Hast du über diese Formulierung mal nachgedacht?)

Romane sind nicht nur Mittel zum Zweck. Romane sind kein Wegwerfprodukt. Romane sind kein Marketing-Tool. Romane sind kein Content. Romane sind Geschichten. Romane sind ein Ausdruck von Wirklichkeit im Kleid der Fiktion. Sie sind Ausdruck unserer Persönlichkeit, unserer Wünsche und Ziele, Ängste und Befürchtungen, Pläne und Strategien. Einen Roman schreibt man nicht mit Lineal und Taschenrechner, sondern mit Fantasie und einer gehörigen Portion Idealismus. Kreativität ist der einzige Weg, der je zuverlässig aus Krisen herausgeführt hat. Allen Unkenrufen zum Trotz. Sei kreativ, schaffe etwas Neues, zeige es! Dann bist du ein Teil der Welt, der sie besser macht.

Kreativität ist der eine Segen, den Menschen zur Natur beizutragen haben. Kreativität ist impulsiv, sie kann Schönes hervorrufen oder sie kann zerstörerisch wirken. Weil kreative Menschen im Spannungsfeld zwischen Begeisterung für ihre Kunst und Frustration durch die Notwendigkeit von öffentlicher Akzeptanz allzu leicht korrumpiert werden. Aber Kreativität ist letztlich das, was zählt, alles andere ist Stagnation und schleichende Auflösung. Daran glaube ich im Innersten. Und deshalb stehe ich jeden Tag wieder auf und schreibe weiter.

Danke fürs Lesen 🙂

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