Geschichten brauchen Konflikte? Scheiß drauf!

Ja ich weiß, ich hab jahrelang genau das behauptet. Weiß ich zu gut. Aber auch ich lerne noch dazu. Klar bringen Konflikte die Handlung voran. Nichts hat soviel Potenzial, einen Menschen zu motivieren wie die Notwendigkeit, einen bedrohlichen Konflikt zu lösen. Nichts hat aber auch die Macht, einen Menschen so von Grund auf zu lähmen wie eine Übermacht an Konflikten.

Was geschieht, wenn die Konflikte überhandnehmen? Man/frau/mensch wird erdrückt. Kann nicht mehr klar denken. Sagt oder tut Dinge, die missverstanden werden, gerät in einen Strudel aus Vorhaltungen und Selbstzweifeln und Aussichtslosigkeit.

In eine Welt, die grundsätzlich gefestigt und verständlich ist, kann ich leicht einen fiktiven Text setzen, in dessen fiktiver Wirklichkeit das Unterste zuoberst gekehrt wird, keine der fiktiven Figuren vertrauenswürdig ist und am Ende aus diesem Chaos doch durch dramaturgisches Geschick wunderbar befriedigende Lösungen entstehen.

Das wirkliche Leben ist anders. Milliarden chaotische Gedanken führen zu keiner eleganten Dramaturgie mit wundersamer Auflösung. Sie führen in einer sich immer schneller drehenden Spirale in ein schwarzes Loch. Wir wissen, daraus gibt es kein Entkommen. Einziger Schutz ist ein ausreichend sicherer Abstand vom Ereignishorizont.

Im Moment schwebe ich im Nichts. Der Mahlstrom an Konflikten saugt alles auf. Ich möchte nicht mehr ‚Streit‘ denken. Oder ‚Neid‘ oder ‚Hass‘. Ich schaue um mich. Leere.

Nein, da leuchtet was. Ein Gedanke — eine Frage: „Warum würde jemand das wollen?“

Etwas bricht auf in mir. Und dann noch eine Stimme, ganz sacht, und ich spüre mein Herz zögernd klopfen. Es stolpert noch ein bisschen. Nach und nach geschieht das Wunder, und Worte kommen zu mir. Aber sie sind anders. Ich glaube, 2016 beginnt etwas Neues.

8 Comments

    1. Claire

      Nickend lese ich Deinen Beitrag liebe Joey. In einer Geschichte macht man aus einem Konflikt was draus. Trifft einen im wahren Leben der Strudel (eines anderen), kann es erst mal nur zu chaotischen Gedanken führen. Daher halte ich es für genau richtig, auf ausreichenden sicheren Abstand zu gehen, um sich selbst und die Situation zu sortieren. Häufig stellt man dann fest, dass man selbst vollkommen in Ordnung ist. Leider stellt man dann auch immer wieder fest, daß die Welt einfach ’nen Knall hat und eben so ist, wie sie ist. Im Gegensatz zu einer Geschichte kommt man dann allerdings meist im wahren Leben zu dem Ergebnis, nichts zu machen, da es sich nicht lohnt. Um so wichtiger ist es, sich den schönen, angenehmen und wirklich wichtigen Dingen des Lebens zuzukehren, die man nach einem Konflikt vielleicht wieder ein bißchen mehr schätzen kann.
      Ich freue mich auf 2016 mit Dir!

      1. Danke Claire, es ist wirklich heilsam, wieder mehr Acht darauf zu haben, was und wer mir gut tut, dazu gehörst auch du 🙂 Jede Krise hat wohl auch etwas Gutes. Wenn ich überlege, welchen Anteil ich am Konflikt habe, dann fallen mir auch neue Möglichkeiten auf, wie ich mich in Zukunft verhalten will. Möglichkeiten, die ich vorher gar nicht sehen konnte. Und vielleicht entstehen daraus sogar wirklich ganz andere, für mich neue Geschichten. Ja, darauf freue ich mich auch schon sehr!

        Alles Liebe!

  1. Fuer das Neue wünsche ich Dir Kraft, Courage und Freude. Das, was Du schreibst, ist – wie so oft – sehr hilfreich. Gerade jetzt.

    Auf ein 2016, das uns noch Kraft lässt, nicht nur nimmt.
    Alles Liebe.
    Charlie

  2. Nat

    Ha! Genau, Scheiß drauf!
    Ich könnte jetzt eine laaange Reihe Aphorismen und geflügelte Worte dazu schreiben, das lasse ich aber, denn dass Entscheidende hast du schon geschrieben:

    Scheiß drauf! …und wenn es sein muß gleich zweimal!

    BIG HUGSSS
    Nat

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