gelesen: Phillip P. Peterson – Paradox

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(c) Phillip P. Peterson

Tjaaa … Wie gehe ich es an? Dieses Buch zu besprechen, fällt mir schwer. Nicht, weil es mir nicht gefallen hätte — denn das hat es. Sehr sogar.

Aber.

Es funktioniert — für mich — wegen und trotz seiner Eigenheiten. Als Technik- und Elektronik-Legasthenikerin bin ich fasziniert von der gut verständlichen, ins Detail ausgearbeiteten Darstellung eines Raumflugprojekts: von der wirtschaftlichen und politischen Konzipierung (nur angedeutet) über die wissenschaftlichen und technischen Voraussetzungen bis zur tatsächlichen Durchführung.

Am beeindruckendsten war es, die Handgriffe, Gespräche und persönlichen Eindrücke der Astronauten hautnah mitzuerleben. Und zwar nicht in guter alter Captain-Kirk-Manier („Beam me up, Scotty!“), sondern in der noch älteren Manier real existierender Astronauten an Bord einer ISS Raumstation oder einer Sojus-Raumfähre. Und genau da wird es jetzt schwierig mit der Bewertung des Buches.

Einerseits habe ich beim Lesen ‚Hurra!‘ geschrien und den Text förmlich aufgesaugt. So anschaulich, so wirklichkeitsnah, so minutiös geschildert ist alles. Dabei spannend und unterhaltsam.

Aber.

Das Buch ist eben über weite Strecken — zu ziemlich genau 80%, wie ich an meinem eReader leicht feststellen kann — eher ein erzählendes Sachbuch als ein Thriller. Ich habe jetzt ein wirklich gutes Bild vom Leben eines Astronauten. Von den faulen Kompromissen, die man mit der Familie schließt, vom harten Training, der körperlichen und psychischen Belastung, der Professionalität, mit der Prozeduren während Start-, Flug-, Andock- und Wiedereintrittsphase ablaufen oder eben — wo nötig — improvisiert werden. Ganz zu schweigen von den Strapazen, die Astronauten durchleiden und durchhalten müssen, weil der menschliche Organismus nunmal keine Rücksichten nimmt, wenn der Mensch über Stunden oder Tage in einen Raumanzug gezwängt auf einer Liege in einer Kapsel ausharren muss, die dem einzelnen etwa so viel Platz bietet wie ein MRT-Gerät. Wer schon einmal eine solche Behandlung über sich ergehen lassen musste, weiß, wovon ich spreche. Keine Frage, das war alles mega-spannend und informativ.

Aber.

Die ganze Zeit habe ich mich gefragt, was das alles mit dem Titel (Paradox!), mit der Ausgangslage (Sonden, die in einem bestimmten Abstand zur Sonne einfach verschwinden!) oder mit dem Genre (Thriller!) zu tun hat. Nun, letzteres ist es in gewissem Sinne schon.  Die Erzählweise folgt ganz eindeutig gewissen Genre-Regeln. Auch klärt sich im letzten Fünftel des Romans endlich auf, was es mit Titel und Untertitel auf sich hat. Natürlich hätte ich das zu einem früheren Zeitpunkt weder erwartet noch gewünscht. Dennoch, die Einordnung als Thriller fällt angesichts des durch detaillierte Schilderung des Astronauten-Alltags sehr dominanten Mittelteils etwas schwer.

Sehr erfreulich empfinde ich andererseits, wie während des gesamten Romans und besonders zum Ende hin all dieses technische Know-how mit der gesellschaftspolitischen Thematik verknüpft und verflochten wird, bis beides voneinander untrennbar wird. Das ist die Rückkehr zu guten alten Tugenden der Science Fiction: Wissenschaft verbunden mit Sozialkritik, die uns einen Spiegel vorhält, warnend und mahnend bei aller Faszination für das Neue und Unbekannte.

Sprachlich, stilistisch und letztlich auch dramaturgisch gibt es nichts zu beanstanden. Es war ein Vergnügen, dieses Buch zu lesen. Es hat einige meiner Erwartungen weit übertroffen, andere zwar nicht erfüllt, aber nicht notwendigerweise zum Schlechteren.

Als erzählendes Sachbuch würde der Roman von mir 5 von 5 Sternen bekommen. Als SF-Thriller immer noch 4. Im Durchschnitt und nach korrekter Aufrundung bleiben 5 Sterne. Paradox – Am Abgrund der Ewigkeit lohnt sich auf jeden Fall zu lesen!

 

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