gelesen: Marc Elsberg, ZERO – Sie wissen, was du tust

20150720_113546_bMein erstes Rezensionsexemplar. Ja, tatsächlich. Freundlicherweise vom Blanvalet Verlag dem Leserforum WatchaReadin zur Besprechung zur Verfügung gestellt, und der Klappentext sprach mich sofort an.

Was soll ich sagen — ich wurde nicht nur nicht enttäuscht, dieser Thriller hat mich von der ersten Seite umgehauen. Nicht nur wegen der rasanten Handlung oder den glaubhaften Figuren. Deshalb natürlich auch. Aber mit ZERO – Sie wissen, was du tust hat Marc Elsberg einen brandheißen Thriller geschrieben, der zwar als Science Fiction gehandelt wird, dabei aber beängstigend aktuell ist. In einer Anmerkung zu Beginn des Buches schreibt der Autor:

„Zero mag sich teilweise wie eine Utopie lesen, doch alle hier beschriebenen Technologien werden bereits eingesetzt, ebenso wie die erwähnten Polizeieinrichtungen in London (Lambeth) und New York (RTCC). [..]“

Umso schlimmer! Bei aller gesunden Skepsis — die auch und gerade bei der fiktionalen Aufarbeitung eines so sensiblen wie explosiven Themas angebracht ist — Marc Elsberg versteht es, die Problematik eines allgegenwärtigen, omnipotenten Überwachungssystems so eindringlich zu schildern, dass es mir bisweilen schwer fiel, den Thriller wie einen Roman zu lesen. Zu dicht lehnt sich die Handlung an aktuelle Entwicklungen wie TTIP, PRISM, Vorratsdatenspeicherung, etc. an; zu plausibel erscheint die Zuspitzung zu einem totalen, ferngelenkten Überwachungssystem in einer Oligokratie der sehr nahen Zukunft.

Das liest sich nicht einfach so runter. Das will verdaut sein. Das bereitet Unwohlsein und Grusel, nicht nur der wohlig schaurigen Art. Manchmal musste ich schon nach wenigen Absätzen unterbrechen und nach Luft schnappen. Nachdenken.

Das führt mich zu meinem einzigen Kritikpunkt: Durch die — absolut notwendigen — Atempausen war es manchmal schwierig, bei wechselnden Perspektiven mit dem durchaus personenstarken Ensemble Schritt zu halten. Das eine oder andere Mal musste ich zurückblättern, weil ich nicht mehr wusste, mit wem ich es zu tun hatte. Viele verschiedene Interessenparteien machen die Handlung zwar facettenreich und der Problematik angemessen komplex, aber es ist nicht eben leicht, den Durchblick zu behalten. Nun, das ist es in der Realität auch nicht, und daher hielt mich das vom weiterlesen nicht ab.

Denn die Zwangslage, in die Marc Elsberg die Journalistin Cynthia Bonsant und mit ihr den Leser führt — der deutlich spürt, das hier betrifft uns alle — scheint vollkommen auswegslos.

Was denkbar ist, wird gemacht. Eine Technologie, die existiert, wird eingesetzt. Alles, woraus sich Profit schlagen lässt, wird ausgeschlachtet. Das erscheint wie ein Naturgesetz. Welche Lösung könnte es für die Opfer dieses Systems, den Normalbürger, das Melk-Vieh, also überhaupt je geben? Als Leserin rechne ich mit keiner befriedigenden Lösung und will die Hoffnung doch nicht aufgeben.

Marc Elsberg springt diesen Salto mortale ohne Netz. Das solltest du auch.

2 Comments

  1. Hallo Sabine,
    ich habe das Buch schon vor einiger Zeit gelesen und war absolut begeistert. Genau wie du, musste ich mir ab und zu selber sagen:“Das ist Fiktion!“. Dieser Roman sensibilisiert einen für die Dinge, die durch heutige Technologie möglich werden.
    Viele Grüße
    Ann-Bettina

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