Flagge zeigen

Seit Wochen schleiche ich jetzt um diesen Blog-Eintrag herum. Was sage ich? Wie sage ich es? Sollte ich überhaupt etwas sagen, wo ich doch viel zu wenig weiß über die großen Zusammenhänge?

Letzteres war es vor allem, das mich bisher davon abhielt, meine Gedanken zu der Misere der Flüchtlinge in Deutschland zu posten und zu dem verachtenswerten Drama, dass sogenannte „besorgte Bürger“ hierzulande abziehen.

Ich blamiere mich nicht gerne vor Leuten, die mehr Ahnung haben als ich.

Andererseits hat mir Die Kuchenbäckerin mit ihrem wunderbaren Eintrag  “Der Flüchtling klaut mir meinen Fernseher!” Oder: Verarscht fühlen ist das neue 20. sehr einleuchtend gezeigt, wie unsinnig es ist, mir darüber Sorgen zu machen, wo doch die Nichts-Blicker, die geistig Armen, die Ewig-Gestrigen, die Alt-und-neu-Nazis, die Menschen- und Freiheits-Verachter so gar keine Hemmungen haben, sich mit ihren hasserfüllten, logikbefreiten, gewaltkopulierenden Tiraden bis ins Mark zu blamieren.

Um es ganz deutlich zu sagen und keinerlei Zweifel aufkommen zu lassen:

Flüchtlinge sind mir willkommen!

Und zwar auch — damit wir uns auch hier nicht missverstehen — wenn sie „nur“ davor flüchten, dass es in ihrer Heimat keine Arbeit, keine Infrastruktur, keinen sozialen Frieden für sie gibt.

Wir leben hier im Schlaraffenland. Ja, trotz allem! Auch mit Hartz IV  und obwohl Politik und Wirtschaft uns immer gerne und jederzeit zur Ader lassen. Kein deutscher Bürger muss hungern, auf der Straße schlafen, Angst vor organisierter Ausgrenzung und Gewalt haben.

Na ja, letzteres relativiere ich. Muss man wohl doch, wenn man sich die Ereignisse der jüngsten deutschen Geschichte anschaut. Die unglaubliche Schlamperei, mit der die NSU-Morde untersucht wurden. Die Versuche, die Aufklärung auch heute noch zu verschleppen. Die Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte, die Übergriffe auf Menschen, die Einschüchterungen und Schmähungen auf offener Straße unter den Blicken des Kanzleramts. Und immer wieder dieser verdrehte Gedanke, ob es gefährlich ist, sich gegen diese Nazis zu äußern.

So ein Deutschland will ich nicht!

Wehret den Anfängen. Gerade dann, falls es wirklich gefährlich sein sollte, den Mund aufzumachen gegen gebrüllte Parolen und Social-Media-Schmierereien, müssen wir es tun. Denn das können wir nicht dulden. Auf keinen Fall.

Wir blicken hier in Deutschlad auf 70 — in Worten: s-i-e-b-z-i-g-! — Jahre demokratische Willensbildung zurück. Zeigen wir, dass wir etwas gelernt haben. Haben wir Mut, Rückgrat und Mitgefühl für die, die unsere Solidarität brauchen.

Nazis raus.

3 Comments

  1. Pingback: Markierungen 08/28/2015 - Snippets

    1. Ich weiß, Nat 🙂

      Und ich bin so froh, dass es weit mehr Leute gibt, die das auch so sehen, als umgekehrt. Man hört uns nur meistens nicht, weil es nicht unsere Art ist, herumzubrüllen. Um so wichtiger ist es aber, sich in diesen Tagen zu überwinden und doch mal deutlich zu werden, damit die Schmierulanten nicht glauben, sie verträten Volkes Meinung. Das tun sie nicht.

      Liebe Grüße
      Sabine

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.