Der Wert der Dinge

Gestern hatte ich einen Aha-Effekt in Bezug auf „Sharing“ und Bezahlung für Inhalte.
Was meine Generation, die die Geburt des Internets zwar miterlebt hat, aber nicht damit aufgewachsen ist, von Jüngeren unterscheidet, ist die Denkweise. Wir denken noch „analog“, wenn man so will. Ich hätte es jedenfalls tatsächlich bis vor Kurzem nicht für möglich gehalten, dass unter all den „Nerds“, „Geeks“ und „Tweeps“ tatsächlich jemand gerne und freiwillig für Inhalte bezahlt. Zu oft lese ich von Schnorrern, die tönen:
„Wir wollen euren Scheiß nicht kaufen, wir wollen ihn haben.“ Aber abgesehen davon, dass niemand sagen kann, ob das nicht eine sehr plakative Einzelmeinung ist, muss man auch fragen, wem nützt es, wenn Urheber und Nutzer so gegeneinander aufgebracht werden.

Aufmerksam werde ich, seit ich immer häufiger diese magischen Wörter „Kickstarter“ und „Crowdfunding“ höre. Da gehen Leute tatsächlich in Vorleistung für einen Roman, einen Film oder Musik, die erst noch entstehen sollen. Dann gibt es zum Beispiel Flattr, wo man freiwillig Leuten Geld zukommen lassen kann für ihre Werke. Und das wird tatsächlich gemacht! Allerdings nutzen die Urheber es selbst noch sehr wenig, was ich schade finde.

Damit will ich nicht sagen, wir sollen für unsere Bücher gar nichts mehr verlangen. Aber man könnte, statt krampfhaft nach Räubern und Dieben Ausschau zu halten, vertrauensvoller auf Leser zugehen. Ich stelle mir vor, langfristig bringt das für alle Beteiligten besseren Nutzen.

Persönlich scheue ich mittlerweile Abos wie ein Kaninchen die Schlange. Gleichzeitig hatte ich aber kein gutes Gefühl dabei, online Zeitungsartikel oder Comicstrips zu lesen, ohne mich irgendwie erkenntlich zu zeigen. Das war letztlich – nach einigem Überlegen – der Grund, mich bei Flattr anzumelden und hier und da das Knöpfchen zu drücken. Das Schöne dabei ist, ich kann mein monatliches Budget selbst bestimmen und auch, wer davon etwas bekommen soll – entweder einmalig oder ich kann mich erinnern lassen und öfter etwas geben oder sogar regelmäßig als Abo (also nix für mich 😉 ).
Der Effekt ist: Ich fühle mich gut dabei. Ich habe jemanden unterstützt, der etwas geschaffen hat, das mir gefällt. Ohne Druck und, wenn ich will, sogar ohne dass jemand etwas davon erfährt.

Ich kann mir vorstellen, dass dieses Modell noch anderen Leuten gefällt, die es, wie ich, leid sind, regelmäßig befürchten zu müssen, übervorteilt zu werden. Damit messen wir Inhalten und der Leistung von Kreativen wieder den ihnen gebührenden Wert bei
– als mündige Menschen.

Wie seht ihr das?

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