5 Tipps

Die Steampunk-Autorin Anja Bagus hat mich eingeladen, an ihrem Projekt

„5 Tipps – Autoren beraten Autoren“

teilzunehmen. In ihrem Blog findet ihr meinen Beitrag und die Tipps anderer Autoren:
http://www.anja-bagus.de/5tipps/

Und hier bei Hydors Golem: Hydors 5 Tipps für Autoren

Hier also meine 5 Cent – äh, Tipps:

Im Netz und in der Literatur wimmelt es von Schreibratgebern. Tipps und Tricks also, die dem angehenden Autor helfen sollen, eine gute Kurzgeschichte, einen guten Roman, ein gutes Sachbuch, ein gutes Drehbuch zuschreiben. Beim Schreiben meines ersten Romans war ich furchtbar unsicher, brauchte viel Bestätigung und suchte verzweifelt nach Anleitungen, »wie man es richtig macht«. Heute, nachdem ich einen Roman veröffentlicht habe, vier weitere geschrieben und davon einen noch diesen Sommer herausgeben werde, ist mein wichtigster Rat:

1. Bleib gelassen

Autoren haben naturgemäß eine galoppierende Fantasie, die sie überall Hindernisse und Katastrophen erdenken lässt. Was, wenn ich mit meinem Werk zu spät komme, den richtigen Moment zur Veröffentlichung verpasse? Was, wenn mir jemand meine Ideen klaut? Was, wenn ich für mein Werk verlacht, verachtet oder sogar gehasst werde? Aber am allerschlimmsten:  Was, wenn niemand meine Texte lesen will?

Relax.

Der Markt ist riesig. Ideen werden immer zeitgleich an verschiedenen Stellen verfolgt, und niemandem schadet es. Jeder Autor ist einzigartig, mit ganz eigener Stimme und persönlichen Schwerpunkten. Daher gleicht keine Liebesgeschichte einer anderen, obwohl letztlich immer Herz zum Herzen findet, deshalb ist jeder Krimi neu, obwohl es immer um die Aufklärung des perfekten Verbrechens geht. Geschmäcker sind verschieden, es gibt keine Nische, die nicht bedient werden will. Also gibt es für alles ein Publikum – und die anderen lässt man eben lesen, was sie wollen. Es ist für alle genug da. Gib nicht auf, verbessere dein Handwerk, dann findest du dein Zielpublikum zur gegebenen Zeit.

2. Zum Teufel mit den Plattitüden

»Show, don’t tell«, »schreib, was du kennst«, »Prologe sind von Übel«, »Adjektive sind böse«, »Kill your darlings!« … Jeder, der sich je mit dem Schreibhandwerk beschäftigt hat, kennt diese Aussagen. Sie werden wieder und wieder zitiert, interpretiert und gepredigt. Vergiss das alles, während du schreibst! Ein Roman entsteht, indem man Worte aneinanderreiht, die inhaltlich einen Sinn ergeben und eine Geschichte erzählen. Das ist wichtig. Die Form, der Stil, die Technik – das alles kommt erst viel später. Deine Geschichte muss einen Anfang und ein Ende haben und dazwischen logisch von A über B nach C führen. Danach braucht sie vor allem eins: Zeit, in Vergessenheit zu geraten. Lies in dieser Zeit die Ratgeber. Setze dich damit auseinander. Führe Gespräche mit anderen Autoren. Und irgendwann holst du dein Manuskript wieder hervor, schaust es dir an und beginnst, all deine Erkenntnisse in die erste von vielen Überarbeitungsrunden zu stecken.
Herzlichen Glückwunsch – jetzt bist du AutorIn!

3. Sei eine Löwenmutter

Deine unfertigen Texte sind noch klein, tapsig und ein gefundenes Fressen für Hyänen. Beschütze sie! Lass niemanden in die Nähe, selbst wenn du noch so unsicher bist, ob das in Ordnung ist, dass deine Welpen Streifen haben und so komische bunte Federn. Die wachsen sich aus, wenn du erst einige Übung in der Fellpflege hast. Unter all diesen Äußerlichkeiten steckt deine ganz eigene DNA, die kannst nur du zu dem formen, was einmal dein Roman wird. Erst nach all dem Weglegen, Lernen, Überarbeiten (du erinnerst dich?) suche dir einen, höchstens zwei Leser, die bereit und in der Lage sind, sinnvolle und fundierte Kritik zu leisten. Die helfen, auch die letzten Federn noch auszubürsten, die letzten Streifen auszukämmen.

4. Wahrhaftigkeit geht vor Trend

Was nützt der schönste Vampir-Hype, wenn man partout keinen Horror, keine Dark Romantasy schreiben mag? Was hilft es, dass Serienkiller sich mit Chick-Lit um die TOP 10 streiten, wenn dir das einfach nichts gibt? Nix. Du kannst dich auf den Kopf stellen, die Luft anhalten, bis du blau anläufst und frustriert in deine Kissen schreien. Du wirst keinen Hit in diesen Genres landen. Vielleicht weißt du noch gar nicht, in welches Genre dein Roman gehört? Vielleicht ist er ein bisschen von allem, vielleicht ist er etwas ganz Neues? Zerbrich dir nicht den Kopf. Regalbezeichnungen sind für Buchhändler, den Lesern sind sie egal, solange die Handlung sie anspricht. Schreib deine Geschichte, so wie sie in dir steckt und vertrau darauf, dass genau das sie zu etwas Besonderem macht. (Und dann kommt wieder unser Liegenlassen, etc.-Ding, du weißt schon …)

5. Lass los

Perfektionismus ist für Feiglinge. Sagt eine, die am liebsten alles lupenrein haben möchte. Aber das geht eben nicht. Ein makelloser Roman ist eine Fiktion an sich. Es gibt nichts, das sich nicht noch treffender, noch bildhafter, noch unmittelbarer ausdrücken lässt. Gib, was du hast (du weißt schon, wie oben, ne? ;-)) und dann lass deine Geschichte ziehen. Mit jedem neuen Roman wächst du, lernst dazu, machst neue Fehler und wirst dabei klüger. Autor ist man nicht, man wird es immer wieder neu, jeden Tag.

 

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